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Theater News

Radikal jung, radikal apathisch – Fortsetzung letzter Teil

April 23, 2015 — by Juli Tributs0

Es ist sauspät, ich bin saumüde. Jeden Abend muss ich mich nach dem Theater im Volksgarten bis in die Puppen unterhalten, am nächsten Tag wieder ganz normal ins Büro, meinem Brotjob nachgehen, und dann husch husch wieder in Theater rennen. Dennoch, über den heutigen Abend – Kings von Nora Abdel-Maksoud (auch Regie) in Zusammenarbeit mit Nora Haakh, eingeladen aus dem  Ballhaus Naunynstraße in Berlin Kreuzberg – muss ich gleich heute noch schreiben.

Denn der Abend hat, obwohl er – so der Vorwurf einiger meiner Mit-Schauer – eigentlich zu banal, sprachlich zu wenig tiefgründig und zu klamaukig war- wie kein anderer Abend polarisiert und extrem lebhafte und wortgewaltige Diskussionen nach dem Stück provoziert. Ich finde, das allein rechtfertigt den Abend. Wenn Theater das schafft, hat es doch mehr als seinen Zweck erfüllt.

Im Stück geht es letztlich um die Kritik unserer, auch social media getriebenen, Generation (20iger, 30iger, 40iger?…), die – so die These – nicht mehr rebelliert. Sie ist irgendwie anders, weil sie „es gecheckt hat“, kann und will dieses Anderssein aber nicht (mehr) „im Kollektiv“ gegen Missstände einsetzen. Auf die Aufforderung: „Empört euch“, fällt der Generation Facebook nichts ein. Sie ist apathisch, selbstbezogen. Man hat zwar „Kommunikationslust“, verliert sich aber im liken und im Selfie-Test. Einig ist man sich, den Kampf gegen die Apathie zu führen: Man „nimmt ja zur Kenntnis“, „unterschreibt Petitionen“ und „hasst Ikea und Laminat“.

Und so geht es munter zwei Stunden rund auf der Bühne. Ich fand es lustig, mag aber ab und an auch mal leichte und einfache Themenbearbeitungen. Und ja, genau diese Art der Kulturkritik ist vielleicht Teil des Problems. Es gibt hier auch keine Lösungen, das sagt die Regisseurin auch ganz offen. Aber es gibt für den, der sich nicht jeden Tag mit gesellschaftlichen Änderungen befasst, neue Denkansätze.

Und letztlich ist mein Fazit:  Wer will schon jeden Abend Kleist’s Prinz Friedrich von Homburg sehen (so am Vorabend)? Das Publikum jubelt wie bei keiner anderen Vorstellung während des Festivals. Also scheiden sich hier wohl die Geister, und was des einen Freud, ist des anderen Leid. Und den Schlusssatz nehmen wohl alle mit nach Hause, auch wenn er keinem wirklich hilft: „Käse kann schimmeln. Und was kannst du?“

 

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Radikal Jung, radikal busy – Fortsetzung Teil 1

April 21, 2015 — by Juli Tributs0

Großartiger Einstieg in den dritten Tag des Theaterfestivals Radikal Jung am Münchner Volkstheater. Und radikal busy ist es auch, wie erwartet. Und sommerlich warm. Herrlich.

Den gelungenen Start am Wochenende habe ich verpasst. Dafür gibt es Montag gleich die Doppelvorstellung. Und weil es am Donnerstag, den 23. April noch zweimal gespielt wird (18 und 21 Uhr) vorab gleich mein Favorit und meine Empfehlung für alle:   

Invasion!

Von Jonas Hassen Khemiri, Regie Pixar Karabulut. Eine Inszenierung des Schauspiels Köln,

Es ist lustig, es ist unmittelbar, es ist kreativ, es hat Sprachwitz. Dazu frisch und spritzig gespielt. Was wird aus uns, wenn wir jemand anders sind? Wie lebt es sich, wenn man plötzlich eine Identität als Abulkasem annimmt? Abulkasem könnte auch Jul Chen sein. Das spielt ja keine Rolle. Aber das unsere Sprache unsere Identität ausmacht, eine andere Identität die Wahrnehmung der anderen und damit reale Veränderungen bewirken kann, damit beschäftigt sich das Stück von Khemiri.

Ebenfalls sehenswert, aber erst nach dem Festival wieder am Düsseldorfer Schauspielhaus:

La Chemise Lacoste.

Von Anne Pepper, Regie Alia Luque (beeindruckende Regisseurin aus Barcelona)

Tennis als Sinnbild einer Gruppe uniformierter Gleichgesinnter, die auch oder gerade wegen der Ausgrenzung anderer ihre eigene Homogenität bewahrt und deswegen funktioniert. Was passiert aber nun, wenn das Fremde dazugehören will, wenn es die Regeln lernen will und nach und nach auch versteht. Darf das sein? Wer bestimmt die Regeln und lassen sie sich bewahren, wenn das Fremde eindringt? Soll nicht unten bleiben wer unten ist? Die Regisseurin findet viele sehr phantasievolle und plastische Bilder, mit denen sie uns konfrontiert mit ihren Gedanken zu Konformität, Uniformität, dem Anderen, dem Fremden und jeder kann sich selber fragen, wo er steht oder stehen will.

Überlebt habe ich es übrigens auch, aber in der entscheidenden Sekunde mit vor Schreck geschlossenen Augen: Der Tennisplatz, der vorher als grüne Wand auf der Bühne steht, knallt in seiner ganzen Größe bis an den vorderen Rand der Bühne. Oh Schreck! Und Schluss!

Dann der vierte Tag des Festivals, für mich der enttäuschend zweite Abend. Orpheus#. Von Ersan Mondtag. Regie Ersan Mondtag, Inszenierung des Schauspiels Frankfurt.

Das soll ja kein Blog für Verrisse werden. Jeder hat seine eigene Sicht auf die Dinge. Orpheus# – ist ein „Schauspiel – Tanzprojekt“, das sich mit dem Tod auseinandersetzt, mit Rache und Erinnerung. Ich habe leider weder Tanz gesehen noch habe ich die Schauspiel-Bilder verstanden, die der Regisseur findet. Nur tragende Musik reicht mir im Theater nicht. Gemeint hat es der Regisseur politisch. Aber so richtig klar wurde mir das während des Zuschauens nicht. Da es aber durchaus Zuschauer gab, die ergriffen und beeindruckt waren und die ja sehr treffsichere Jury, hier in Person von Kilian Engel, ganz viel darin gesehen haben, wird es wohl auch so sein…

Morgen gibt es Prinz Friedrich von Homburg mit „dem“ Samuel Koch aus „Wetten Dass“ und – darauf freue ich mich sehr – am Donnerstag Kings aus dem Ballhaus Naunynstraße Berlin. Mehr gibt es für mich dieses Jahr nicht, weil ich ebenda hin fahre. Aber für alle anderen: Ich würde mir, wenn ich könnte, Dschingis Khan anschauen (kommt am Freitag, 19.30 Uhr.) Und natürlich Sybille Bergs’s Stück Und jetzt: Die Welt! Das kann man aber auch noch so am Volkstheater sehen.

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Shabbyshabby Apartments in München

April 14, 2015 — by Juli Tributs0

Vote for your favorite shabbyshabby apartment at http://creative.arte.tv/de/labor/shabby-shabby-apartments !!! Noch bis zum 19.4.2015 !!!

Tolle Idee! Danke Matthias Lilienthal. Kaum in München angekommen, ist er mit dem großen Problem der Stadt konfrontiert: Schäbige Buden für sauviel Asche, und dann sind sie auch noch knapp.  Dies ändert sich für kurze Zeit, wenn man auf Dusche, Toilette und den eigenen Kram verzichten kann: Wir können ab September 2015, der neuen Spielzeit der Münchner Kammerspiele, shabbyshabby Apartments mieten. Statt ins Theater zu gehen, können wir für schlappe 35 Mäuse Teil unserer eigenen Wohn-Inszenierung sein – shabby Wohnen im Stadtgebiet. Die Buden sind in der ganzen Stadt verteilt. Sage und schreibe 258 Entwürfe wurden eingesendet. Die von der Jury unter der Regie von Traumlabor auserkorenen sehr hübschen Entwürfe sind zu sehen unter: http://raumlabor.net/shabbyshabby-apartments/

Das Volk durfte auch wählen (und darf dies noch bis 19.4.): Meine Lieblinge sind das Wohnklettergerüst am Isartor und der muschelartige Pavillon der sich auf der Tiefgarageneinfahrt am Max-Joseph-Platz kringelt. Das wird lustig, da will ich wohnen.

Wieviel Raum es in der Stadt noch gibt für kleine sehr schräge Wohnobjekte! Von den Jury-prämierten Buden gefällt mir „Yello Submarin“ sehrrrr … Schlafen in einer gelben Badewanne, die auf Pfählen im Eisbach steht, was will man mehr!!!

Also, Münchner, auf zum Wählen und dann zum Wohnen!

Und weil wir gerade von Häusern sprechen. Es gibt Neues von Erwin Wurm, auch er hat eine Vision: „I am still a house?“ fragt er… Was dabei herauskommt ist jetzt in Wuppertal im Skulpturenpark zu sehen. Herrlich!