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Reiseberichte

Nachtwanderung und Saharaluft, Extremadura!

Mai 28, 2015 — by Juli Tributs0

Mittwoch, 27. Mai, 6. Tag:

Es ist noch Nacht als wir unser Ränzlein schnüren. Wir schließen die Tür zur Albergue um 4.41 Uhr und stapfen los, Richtung Monterrubio, 33 km. Es geht durch die schlafende Stadt. Nachts ist es schön kühl. Wir folgen unserem gelben Pfeil, der den Pilgern den Weg durch ganz Spanien weist. Der Pfeil ist mit Liebe gemalt, an den skurrilsten Stellen… die man eben so findet in der Natur, wenn man den Weg weisen möchte.

Über uns sind tausend Sterne, die dicke milchige Milchstraße und sonst nichts. Die erste Stunde vergeht wie im Flug, ich sehe meine erste Sternschnuppe, sie verglüht erst kurz vor dem Auftreffen auf den Boden und zerfällt dabei in tausend kleine Sternchen, ein Traum.

Nachts bekommt das Pilgern etwas Verschwörerisches. Wir sind mutterseelenallein. Das sind wir tagsüber oft auch. Aber wenn man in die Ferne sieht, fühlt man sich sicher. Im Dunkeln sieht man nicht, wo man ist und nicht, wo man hingeht, es ist Abenteuer. Man verliert das Gefühl für Weg und Zeit. Langsam wird es hell, Felder soweit das Auge reicht. Hunde bellen uns an, die Sonne geht als roter runder Ball am Horizont auf. Auf einem Pflug breiten wir unser Frühstück aus, es ist genau 7 Uhr. Es gibt nichts Schöneres, als nach zwei Stunden Nachtwanderung die erste Pause zu machen, die Wärme der aufgehenden Sonne auf der Haut zu fühlen, in ein selbst belegtes Bocadillo zu beißen und in das weite Land zu schauen.

Frühstück bei Sonnenaufgang am Pflug
Frühstück bei Sonnenaufgang am Pflug

Danach sind wir leider voller Zecken. Die sind ein guter Grund, immer wieder anzuhalten für eine pequeña pausa. Fiese kleine Zecken! Sie schleichen sich, geschützt durch die Hose, am Körper hoch und beißen sich fest. Ja, aber nicht mit uns. Wir haben alle entdeckt. Die letzten allerdings erst im Hotel, 6 Stunden später…

Wir laufen und laufen, es gibt nur Kornfelder und Eichen. Wir nähern uns der Extremadura. Ab halb zehn breitet sich die Hitze aus. Selbst die Schafe rotten sich in großen Mengen unter einem Baum zusammen. Der spendet zwar kaum Schatten für die erste Reihe Schafe, geschweige denn für den ganzen Rest … aber es scheint immer noch besser zu sein als das freie Feld. Oder es ist einfach nur Herdentrieb. Nur die Ameisen scheinen unbeeinträchtigt und tragen fleißig Körner von einer Feldseite zur anderen. Das macht bestimmt Sinn, welchen genau, müssen wir Menschen ja nicht verstehen.

Fleißige Ameisen tragen Korn von einem Feld zum anderen Feld
Fleißige Ameisen tragen Korn von einem Feld zum anderen Feld

Wir sind jetzt schon weit über vier Stunden unterwegs. Wahnsinn. Aber was für eine gute Idee, so früh loszulaufen.

Es ist auch dies ein Erlebnis dieser Tage: die Wärmestufen, die man an einem Tag durchlebt und wie sie sich auf Wohlbefinden und Energie auswirken. Wie frisch fühlt man sich am Morgen und wie erschöpft  und gequält ist man in der Mittagshitze. Man denkt ja als tapferer Wanderer, man schafft alles. Aber das ist nicht wahr. Wandern ist definitiv unter 30 Grad einfacher. Für den Notfall (und für das Frühstück unterwegs) haben wir ein leichtes (i.S.v. von Gewicht) Spezialgetränk entwickelt, das uns wieder lebendig werden lässt: zwei kleine Packungen Nescafé und eine kleine Packung Kakao kräftig in Wasser geschüttelt, das schmeckt sogar gut und hilft sofort.

Wir schaffen es anzukommen, sogar zu einer halbwegs zu ertragenden Zeit, gegen 13 Uhr. Gerade noch rechtzeitig, bevor das gesamte Dorf in den Mittagsschlaf sinkt. Ab 15 Uhr ist hier bis mindestens 18 Uhr wirklich kein einziger Mensch auf den Straßen, die Luft flirrt vor Hitze. Sogar unser Hotel hätte geschlossen gehabt, wir hätten nicht mal einen kalten Kaffee bekommen.

Es ist das Beste, es den Einheimischen gleich zu tun. Nach 18 Uhr regt sich wieder etwas Leben, das Restaurant in unserem Hotel öffnet und wir werden vom Inhaber verwöhnt. Er hat uns (gerade noch vor der Siesta) mit Freude begrüßt und natürlich mit Pilgerrabatt aufgenommen, mixt uns Sangria nach Madrider Rezeptur, wie er stolz erzählt. Das Olivenöl kommt aus dem Ort und gut gekocht wird auch. Auf dem Kirchturm, vor unserem Hotel, sitzen wie immer Störche. Wir fühlen uns pudelwohl.

Kirchturm von Monterubio, natürlich bewohnt
Kirchturm von Monterrubio, natürlich bewohnt

Und je weniger ein Ankunftsort an Ablenkungen bietet, desto entspannter kann man am Abend auf der Terraza sitzen und schreiben. Es ist Urlaub!

Donnerstag, 28. Mai, 7. Tag:

Wir haben entschieden, aus 37 km 17 km zu machen und uns dazu noch eine ganze weitere Etappe zu schenken, wir laufen heute nur nach Castuera und steigen dort in den Zug nach Mérida (1 h fahren statt zwei Tage laufen). Es ist wahrscheinlich gegen jedes Pilgergesetz. Aber der heilige Jakob hat uns schon vergeben. Als ich heute am Bahnhof in Castuera gesehen habe, welche Wüste wir bei 35 Grad hätten durchschreiten sollen, kann ich uns nur zu unserer weisen Entscheidung am Abend gratulieren.

Wir sind um 6 Uhr los gelaufen. Haben im Dunkeln glatt den gelben Abbiegepfeil übersehen und sind daher auf der Nationalstraße gelandet. Kam uns nach einer Weile komisch vor, es fehlte unser gelber Pfeil und Straße laufen ist doof. Also sind wir durch Felder über Zäune quer durchs Land, bis wir wieder auf unserem Weg waren. Was für eine Wiedersehensfreude mit dem gelben Pfeil.

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In Castuera angekommen, weht schon so eine Art heißer Fönwind durch die Straßen. Es ist gerade mal 11 Uhr. Am allerletzten Ende des Ortes steht dann tatsächlich auch die Bahnhofsstation. Es ist wie im Western, kein Mensch weit und breit, Spiel mir das Lied vom Tod fällt mir ein. Hinter den Gleisen beginnt eine Art Wüste. Der Bahnhof sieht aus, als ob er geschlossen ist. Aber es ist nur die spanische Art sich vor Hitze zu schützen. Wir finden dann doch im Inneren der Station den Jefe de Estacion, der uns ein Ticket verkauft, später sein Stationswärterhut aufsetzt und mit einer Fahne dem einfahrenden Zug bedeutet anzuhalten und wieder abzufahren. Er nimmt seinen Beruf ernst. Es fährt drei Mal am Tag ein Zug Richtung Mérida, er kommt auch wieder zurück.

Bahnhof Castuera
Endstation Sehnsucht, Bahnhof Castuera

Eine Stunde später kommen wir in Mérida an, steigen aus dem klimatisierte Zug aus und es pustet uns Saharaluft entgegen. Ab jetzt wird das Wandern schwer. Es dauert bis 21 Uhr, bis man es außerhalb klimatisierte Räume aushält. Das macht es etwas schwierig, die schöne Stadt mit allen ihren römischen und maurischen Sehenswürdigkeiten zu genießen. Die Steinbänke, auf die wir uns absetzen wollen, glühen sogar noch gegen 19 Uhr. Vielleicht sollten wir einfach so tun, als seien wir – wie gestern – in Monterrubio und nichts tun, vor allem nicht rumlaufen.

Jetzt im Moment ist es 22 Uhr und nur noch sehr warm, ich trinke tinto fresco und wir diskutieren die große Frage: sollen wir morgen weiterlaufen? Ich denke ja, wir tun es.

Reiseberichte

Wanderlust und Wanderlast: Zu Fuß durch die Provinz Córdoba

Mai 27, 2015 — by Juli Tributs0

Montag, 25. Mai, 4.Tag:

Heu auf meinem Weg
Nach der Kornernte Provinz Córdoba

Es geht weiter zu Fuß durch die Provinz Córdoba ins 38 km entfernte Alcaracejo. Wir nutzen die frische Kühle der Morgenstunden, nehmen schnell um 7 Uhr den ersten café con leche in der Dorfbar (schon zusammen mit den ersten zwei – männlichen – Gästen; sind sie auf einen Kaffee da, weil sie keine Frau haben oder weil sie eine haben? Oder einfach weil es die Väter und Großväter schon immer so gemacht haben?). Schnell noch frisches Brot kaufen für das Frühstück unterwegs und los.

Die Morgenstunden sind die schönsten des Tages. Es riecht, schmeckt und klingt, das Licht ist wunderbar. Es fühlt sich so gut an, dass ich am liebsten hüpfen würde. Geht natürlich nicht, 10 Kilo Rucksack machen jeden schnellen Move unmöglich.

Aus den Wiesen steigt der Duft von Morgentau, Kräutern und Blüten. Die Vögel singen was das Zeug hält. Hunde bellen, die berühmten pata negras leben hier frei unter Eichen und grunzen, Schafe auf dem Weg wetzen die Hufe und laufen vor uns davon. Es ist das Paradies.

Die ersten vier Stunden hält dieses Glücksgefühl an. Wir treffen ab und an auch mal einen Menschen, meist ist es ein Bauer, der sein Land bestellt. Sie erzählen uns sofort ihr halbes Leben. Die hard facts einer Begegnung, es ist kurz nach 12Uhr, er kommt zu uns, weil die Hunde angeschlagen haben und überschüttet uns mit folgenden Informationen: Dieses Land gehört uns seit 100 Jahren. Ich bin schon 77, schaut mich an, ich wiege mit 77 noch so viel wie mit 22… mein Vater hat mit 60 geheiratet und drei Kinder bekommen, eines davon bin ich. Ich habe fünf Kinder. Mein Traktor ist schon 55 Jahre alt und ich bin sehr stolz auf ihn… usw. Leider hat er uns auch verraten, dass es bis zum nächsten Dorf noch 21 km sind und es noch vier Stunden dauert bis wir dort sind. Er hatte leider recht.

Und jetzt kommt die Geschichte, die ich nur einmal erzähle und den Rest der Reise nie wieder. Aber es gehört zum Wandern dazu, denn Wandern ist nicht immer nur Lust, sondern manchmal auch ein klein wenig Qual.

Es ist mittlerweile kurz nach zwölf. Die Landschaft hat sich seit heute Morgen wieder verändert. So weit das Auge sehen kann, nur Olivenhaine, die sich sanft wölben. Es ist heiß und langsam drückt das Gewicht des Rucksacks, zusammen mit dem Körpergewicht ist es für die Füße nach sechs Stunden eigentlich zu viel. Die weiteren zwei Stunden beginnen weh zu tun. Und es sind immer noch mindestens 10 oder 11 km. Der Weg endet heute nicht. Das was jetzt noch kommt zu den schon gelaufenen 28 km ist die Hälfte der ganzen Etappe von gestern. Oh mein Gott. Man braucht eine Stunde für fünf km, wenn man gut ist. Ich bin es nicht mehr, schleppe mich mit 3 km/h den Weg lang. Die Zeit steht, die Fußsohlen schmerzen und glühen. Die letzte Stunde ins Dorf geht nur noch durch Kornfelder, die Straße endet nicht. Der Asphalt, auf dem wir jetzt laufen brennt unter meinen Füßen. Ich taumle ins Dorf und starre gierig auf Stühle, die aus der Plaza Mayor durch die Straße blitzen und die ein Kaltgetränk verheißen. Dieses Bild von einem kalten Bier hat sich seit den letzten Stunden in meinem Kopf festgesetzt, der letzte Rest Wasser in meiner Flasche ist lauwarm. Wir kommen näher und der schlimmste Pilgertraum wird wahr. Es ist Montag um fünf und die zwei Bars am Platz und der kleine Supermarkt haben geschlossen. Puta madre.

In solchen letzten Momenten einer Etappe kann man sich nicht vorstellen, am nächsten Tag auch nur einen Schritt vor den anderen zu setzen, geschweige denn, wieder mit Lust weiter zu wandern. Es sind ja auch keine Spaziergänge! Aber dann ist es, wie es immer ist. Der Körper ist ein Phänomen, er regeneriert sich über Nacht. Und Schlaf und tinto am Abend heilen alle Verzweiflung. Der nächste Morgen ist dann wieder wunderbar. Ein neuer Weg wartet und ein unbekanntes Ziel lockt. Und es macht – yippiii – wieder Spaß.

Dienstag, 26. Mai, 5.Tag:

Heute sind es nur 23 km bis zum nächsten Ort, Hinojosa del Duque. Das letzte Ziel in Andaluciá, morgen übertreten wir die Grenze nach Extramadura. Was erwartet einen wohl, wenn die Region den Namen „Extremhart“ trägt?

Wir laufen durch weites flaches Land, immer wieder stehen ganz alte Eichen (Encinas) am Weg. Es gibt Bauernhöfe und riesige Felder. Es ist schön, der Morgen noch kühl.

Korn und Eichen
Zwischen Córdoba und Extremadura

Heute passieren wir sogar ein kleines Dorf auf dem Weg. Es gibt, wie in jedem Dorf bisher, auch ein Kirchlein. Und auf dem Kirchlein wohnt, wie auf jedem Kirchlein bisher, ein Storch.

Kirche mit Storch wie es hier tausendfach zu sehen ist
Kirche mit Storch wie es hier tausendfach zu sehen ist

Kein Kirchturm der nicht bewohnt ist. Es gibt offenbar keinen besseren Ort für Störche. Wissen wir eigentlich, warum das so ist? Wirklich bequem schaut so ein Turm ja nicht aus. Aber es ist der höchste Platz und auf dem tronen sie königlich, sie sind die Herren der Lüfte. (Während ich dies schreibe bin ich schon einen Tag und einen Ort weiter, sitze im Café unseres kleinen Hotels direkt neben dem Kirchturm. Auf ihm sitzen sogar sechs Störche in ihren Nestern. Und sämtliche Schwalben der Gegend haben sich ihre Nester darunter gesetzt. Toll.)

Zurück zu gestern, es gab wieder schöne Pilgermomente. Gerade als sich bei mir Erschöpfung einstellen wollte, tauchte schon das Städtchen im Blickfeld auf. Also los, noch eine letzte Stunde von heute nur etwa fünf Stunden Marsch. In der Polizeistation, so wußten wir, gibt es den Schlüssel für die Albergue, die das Städtchen direkt im Rathaus für Pilger eingerichtet hat. Unterkunft umsonst. Alles ist da, was man braucht. Spanien liebt seine Caminos und seine Peregrinos. Wir werden überall herzlich empfangen. Und wenn die Übernachtung nicht umsonst ist, gibt es  in jeder der kleinen Pensionen und Hotels einen Pilgerrabatt. Da hüpft das Pilgerherz. Es geht dabei gar nicht um das gesparte Geld sondern um das Herz hinter dieser kleinen Geste mit großer Wirkung.

Was gab es heute noch? Caracoles im Glas, meine ersten in Spanien, najaaaa, Veggies schaut lieber weg: Glibberig, schleimig, sehr lebensecht, man will sie besser nicht sehen und zu beißen gibt es eigentlich bei der Größe auch nichts. Einmal probiert und gut.

 

Caracoles, tatsächlich zum essen
Caracoles, tatsächlich zum essen

 

Und zum Abschluss dieses Berichts noch eine kleine Episode zur Gastfreundschaft. Mein I-Pad Akku ist leer… Ich weiß nun auch, das man mit dem Netzteil des Handyladekabels keine Pads aufladen kann. Leicht hysterisch laufe ich die Plaza auf und ab und schaue nach Lösungen. In der Bar haben sie noch nie einen I-Pad gesehen. Gegenüber der Albergue ist ein kleines Landwirtschaftsbüro, ich trau mich rein und werde mit großem Hola empfangen. Alle sind super nett, aber die Computertechnik ist sehr staubig und muss so aus den 90ern sein… nach einigem Suchen zieht eine Frau einen power adapter aus den Papieren des Chefs hervor. Sie hüpft vor Freude und gibt laute spanische Freudenschreie von sich, als er passt und auch lädt. Ich darf ihn dann sogar behalten. Sie schenken ihn mir, es ist nicht zu fassen. Und es ist gut so, denn er lädt ungefähr 10% Akku in einer Stunde. Als am nächsten Morgen um vier Uhr der Wecker klingelt, ist mein Pad immerhin schon wieder bei 55% :-)) Ich bin überglücklich.

Reiseberichte

Antequera, Feria in Córdoba, Camino Mozárabe de Santiago

Mai 26, 2015 — by Juli Tributs0

Freitag, 22. Mai. 1. Tag:

Es ist faszinierend, wie schnell man in einer anderen Welt ist. Man landet nach drei Stunden Flug in Malaga, ißt schnell auf dem Mercado Central verschiedenes gegrilltes Meeresgetier und fährt los Richtung Córdoba nach Antequera. Das entpuppt sich als idyllische Kleinstadt mit großer Alcazaba (das sind maurischen Festungen). Nur wenige Schritte weiter treffen sich die Hausbewohner der umliegenden Häuschen zum letzten Plausch in der Abendsonne. Männer und Frauen mögen das immer noch lieber getrennt …

Männlein und Weiblein. Hombres y mujeres

Und das Licht in Andalusia … Die Sonne ist wirklich heller und wärmer als in Deutschland, vor allem abends nach 21 Uhr:

Antequera
Antequera, am Abend

Samstag, 23. Mai. 2.Tag:

Das ist für mich Spanien im Mai:

Córdoba
Arboles lilas in Cordoba

Los arboles lilas. Sie blühen überall im Mai in Spanien, also auch in Córdoba.

Es ist Samstag und wir fahren weiter nach Córdoba. Wir sind noch nicht zu Fuß unterwegs, der vorerst letzte Tag, an dem wir in einer Stadt zivilisiert, also nicht erschöpft eintreffen. Wir haben Glück: Es scheint die Sonne… Nein, wir haben Glück, es ist „Feria“ in Cordoba. Ein Fest, für das sich alle Cordobesas, die großen und die kleinen, in ihre vestidos de volantes werfen und auf dem sie Sevillana tanzen. Man fährt auch gerne mit Kutschen vor oder reitet gleich selber hin. Ein Traum für Touristen.

Cordobesas zur Feria in Cordoba
Große und kleine Cordobesas auf dem Weg zur Feria

Jetzt weiß ich auch, die mini Kinderabsatzschuhe, die es überall zu kaufen gibt, sind ernst gemeint…

Zapatas de Flamenca
Zapatas de Flamenca gibt es in jeder Größe

Sonntag, 24.Mai. 3. Tag:

Am Sonntag um 7 Uhr geht es dann endlich los, wir wandern unsere erste Etappe nach Villaharta! Lächerliche 20 km, wir beginnen in einem Vorort von Córdoba. Es fühlt sich gut an, tipptapp, hoch runter geradeaus. Wir treffen stolze andalusische Pferde, alle möglichen  Blumen blühen am Wegesrand. Wir schauen in die ewige Weite Andalusiens. Auf dem Weg ist kein Mensch weit und breit. Wir sind die einzigen Pilger! Das wird die ganze Woche bis Mérida so bleiben. Einzige Kontakte sind die zu den Dorfbewohnern und ganz wichtig, zu den Barbetreibern. Wir passieren ein Mini Straßendorf für die Mittagspause und es sind noch 10 km bis zum Ziel.

Wir laufen und laufen. Und plötzlich kommt der Moment, der mich immer wieder aufs neue begeistert: wir sehen unser Ziel, ein Dorf scheint durch die Bäume. Gleich sind wir da.

Camino Mozárabe de Santiago, Villaharta
Villaharta, meine erste Etappe ist zu Ende

Das Ankommen ist immer ein Ereignis, was erwartet uns? Wie sieht es aus im Dorf? Wer steht in der Bar? Wie schmeckt der café con hielo?

Die einzige Bar in Villaharta hat auch gleich für uns ein Zimmer. Und überhaupt trifft sich hier das Dorf zum Café oder Bier trinken, gemeinsam Fernsehen schauen, quatschen. Die Bar ist der Mittelpunkt des Lebens. Man geht gleich früh nach dem Aufstehen hin und mindestens  noch einmal vor dem Schlafengehen. Es sind meist die Männer, die allein kommen, selten sieht man Frauen allein. Die tauchen eher in Gruppe auf, es wird dann auch meist sehr laut. Ein wunderbarer Ort, um Kontakt aufzunehmen.

Reiseberichte

Ich bin jetzt mal weg!

Mai 22, 2015 — by Juli Tributs0

°°°°Denn ich muss ja was erleben°°°°

Deswegen fliege ich heute nach Malaga und mache mich auf den Weg. Ich will mindestens nach Salamanca wandern. Ich beginne entweder in Sevilla oder in Cordoba. Rucksack ist gepackt, Restalkohol vom gestrigen Kanzleievent wirkt noch stimmungshebend. Es ist schön kühl und verregnet in München, bestes Wetter um abzuhauen. Mein Weg:

camino de plata, Juli's nächste 17 Tage
camino de plata, Juli’s nächste 17 Tage

Ich versuche mich dann die nächsten Tage mal als Reisejournalist. Oder Abenteuerautor. Oder der Blog wird Juli’s Diary. Aber vielleicht wird es auch langweilig, zu viele Stiere und zu viel Sonne, dann lasse ich es, who knows.

Bis dahin haut rein und lasst euch vom Wetter nicht deprimieren. Eure Juli denkt aus dem fernen Andalusien an euch!

Juli unterwegs
Juli unterwegs

Kunst

ArtMUC 2015 – Kunst aus München auf der Praterinsel

Mai 19, 2015 — by Juli Tributs0

Und wieder ist Kunstmesse in München. Same place, same environment… wie vor zwei Wochen, als die STROKE Art Fair stattfand. Also auf zur Praterinsel in München zur ArtMuc, an einem Wochenende im Mai, es gibt Kunst aus und um München. Die rund 100 Künstler, von einem Creative Board aus wohl sehr sehr viel mehr Bewerbern ausgewählt, sind anwesend. Es sind auch lokale Galerien präsent und auf Einladung der Messe die Klasse Anke Doberauer der Akademie der Bildenden Künste München.

Der Rundgang geht los. Ich bin erstaunt, viel interessante Kunst in München entsteht. Und wie nah und unmittelbar es auf der Messe zugeht. Wer sich nicht traut – so wie ich – die Künstler anzusprechen, der wird von ihnen angesprochen, wenn er nur lange genug vor einem Werk verweilt. Ich verweile tatsächlich recht oft, weil mir gefällt was ich sehe. Es sind nicht nur die ganz großen raumfüllenden Arbeiten die einen gefangen nehmen, wie Aura, eine Installation der Klasse Anke Doberauer:

Aura, Installation Klasse Anke Doberauer, Akademie der Bildenden Künste München
Aura, Installation Klasse Anke Doberauer, Akademie der Bildenden Künste München

oder die Videoinstallation Replex #2 Horizontal von BettyMü, eingehüllt in den Sound von Limb:

Es gibt auch kleine exquisite Arbeiten zu entdecken. Auch wenn vielleicht nicht alles so großartig ist, wie die Malerei, die derzeit in New York entsteht und die im Kunstmuseum Bonn (New York Painting, bis 30.08.2015) zu sehen ist – München muss sich nicht verstecken. Mir gefallen viele Arbeiten. Und jeder hat ja sowieso seinen ganz persönlichen Geschmack!

Zuallererst nehmen die sehr hübschen Leuchtkästen (dancer in the dark) von Sonja Herpich meinen Blick gefangen. Sie hat sich fotografisch mit Schnee befasst, der wird auf Aludibond im Leuchtkasten dann ganz wunderbar von hinten zum Leuchten gebracht. Und schon denke ich, was ich immer denke, wenn mir etwas gefällt: Das will ich haben! Gleich weiter geht es mit den faszinierenden kleinen Objekten (aus der Serie Ordnung ist das halbe Leben), die die Künstlerin Andrea Mähner als Ergebnis ihrer Lust an mathematischen und geometrischen Konstellationen aus allerlei naturgegebenen Materialen bastelt. Das sieht dann, neben der Ernsthaftigkeit, die der Konzeptkunst (bei ihr „Zahlart“) anhaftet, auch entzückend aus und ist bei oder wegen aller Mathematik dahinter auch sehr witzig.

Ich schlendere weiter, fühle mich schon jetzt bestens aufgehoben auf der ArtMUC und komme zu den White Rooms von Thiemo Kloss. Fotos uniformer Menschenszenen mit Gefängnischarakter. Er fügt mehrere Ebenen auf Alexi hintereinander – da wird das Foto zum Raum. Mir gefällt die Malerei von K.di Parenzo Jordan, die mit ihren neuen Bildern eine Mischung aus Maria Lassnig und Frida Kahlo schafft. Und es geht immer weiter. Es kommen Arbeiten von Christian Kreisel, der einige Bilder aus der Serie Heimat zeigt und neue Arbeiten auf einer Collage aus Mosaik und Spray und irgendwie an die Münchner Surferszene erinnert.

Es gibt natürlich noch viel mehr zu sehen und zu entdecken, der Raum dieses Blogs reicht dafür nicht aus.

Mir hat es noch eine junge Fotografin angetan, Julia Schneider, die mit ihren auf der Messe ausgestellten Fotoarbeiten aus der Serie „snapshot memories“ an William Eggleston erinnert. Fotografien zufälliger Szenerien paaren sich durch ihre spätere Auswahl und so entstehen schöne Bezüge. Eines ihrer Fotopärchen hängt (fast, noch stehen sie) nun auch an meinen Wänden:

Abenteuer Straße
„snapshot memories“ Abenteuer Straße

Für mich ist der Messebesuch eine wunderbare Erfahrung. Was macht es nun aber aus, worin liegt der Unterschied dieser ArtMuc zu Galeriebesuchen? Die Messe macht mich als Besucher nicht nur zum Betrachter, sondern zum Teil des Programms, hier gibt es Kunst, die ich sofort mitnehmen kann, unspektakulärer präsentiert als in einer Galerie. Kunst kaufen kann ich natürlich auch in Galerien, aber da bin ich als potentieller Käufer mehr im Fokus des Galeristen, ich habe weniger Auswahl, ich habe keinen Kontakt zum Künstler. Auf der Messe bin ich durch die Masse der Besucher geschützt, ich kann schlendern und schauen… was sich dann nach ganz viel Kunst im Hirn als Idee einnistet und auch über Nacht noch da bleibt, das ist es dann….

Der nächste Unterschied für mich ist bei dieser Messe die direkte – gleichwohl nie ausgesprochene – Einladung des Künstlers (nicht des Galeristen!!) zum Talk und zum Kauf. Sie sind häufig genau so schüchtern wie man selber, man nimmt zart Kontakt auf, die Messe macht uns zu Komplizen: Ich bin kein erfahrener Sammler, nicht alle Künstler sind erfahrene Verkäufer. Sie erklären ihre Kunst selbst am besten und so entsteht eine Annäherung der eigenen Art. Und sammeln will man doch Arbeiten der Künstler, nicht der Galeristen. Der direkte persönliche Kontakt eröffnet erst den Bezug, und mag man die Kunst und den Künstler dann ist die Entscheidung zum Kauf viel leichter, jedenfalls geht es mir so. Und es ist doch in Ordnung, wenn es bei Kunst in zweiter Linie auch darum geht, dass mal einer ein Kunstwerk erwirbt.

Wem das jetzt alles etwas zu kommerziell ist: mich hat der Umstand, dass ich auf einer Messe war, zum Nachdenken darüber gebracht. Eines ist ja klar, in allererster Linie geht es um Betrachten und Genießen von Kunst und den Austausch darüber. Und weil der mit den Künstlern so gut klappt und diese einem auf der Messe so nah wie sonst kaum kommen, finde ich das Konzept dieser Messe, die Künstlern und Besuchern diese Plattform bietet, super.

Hoffentlich findet sie nächstes Jahr (das wäre das dritte!) ihre Fortsetzung.

 

Kunst

STROKE: Kunst für das 21. Jahrhundert in München

Mai 6, 2015 — by Juli Tributs0

Wie gut, dass es am 1. Mai in München wie aus Kübeln geregnet hat! Sonst wäre ich möglicherweise nicht auf die STROKE gegangen und hätte möglicherweise ein Bild weniger in meiner Wohnung…

Wie viele Menschen nun an einem solchen Tag ihr Herz für urbane und junge Kunst entdecken. Es ist absolut faszinierend. Die STROKE auf der Praterinsel in München war am Freitagnachmittag so überfüllt, dass man Schlange stehen musste, um die Kunst genauer betrachten zu können. Aber: das ist ganz egal, es lässt sich ausblenden, man kann sich einfach durchwühlen.

Es macht mich sogar froh – es ist gut für die Kunst und die Künstler und ja, auch für ihre Galeristen. Ist das nicht ein toller Erfolg für eine abgefahrene Kunstmesse, die es seit gerade mal 2009 gibt und die von Marco und Raiko Schwalbe gegründet wurde, weil sie sich trotz jahrelanger Galeriearbeit die Gebühren für die großen etablierten Kunstmessen nicht leisten konnten. Ihr Ziel war es, „einen idealistischen und vor allem unbelasteten Blick auf junge Kunstentwicklungen zu ermöglichen“. Und das haben sie erreicht, finde ich! Kritik, die Messe sei zu kommerziell geworden, zu viele Galeristen zu wenig Künstler, wird dem Anspruch einer Messe nicht gerecht. Wichtig ist doch, dass die Künstler auch ein Forum haben für Sammler und eine Chance, ihre Werke nicht nur zu zeigen, sondern auch zu verkaufen. Und die Kritik mangelnder Qualität, naja, es gibt immer verschiedene Geschmäcker und es ist für jeden etwas dabei.

Über das Interesse an der Messe freue ich mich diebisch, weil ich beseelt bin von der Idee, Kunst zu unterstützen, damit sie sich entfalten kann. Weil ich und alle anderen Nichtkreativen die Kunst brauchen, sie unser Leben schöner, bunter und reicher macht. Und weil Künstler wiederum Sammler brauchen, die ihre Werke bestaunen, bewundern und eben auch mal kaufen.

Ich wiederum bräuchte für die Sammelei besser ein Schloss, statt der 50 qm Wohnung. Aber es findet sich auch an meinen Wänden immer wieder ein Plätzchen für Neues, wenn ich nur will…  Und ich wollte. Es kam spontan, ein Blick und alles war klar (auch wenn ich noch drei Runden durch die Messe brauchte, um meine Kaufentscheidung endgültig zu treffen). Faszinierend, wie ein Bild plötzlich im Kopf einen Haken setzt, trotz der tausend anderen Eindrücke, die auf einen einprallen. Kunst ist eben doch sehr individuell.

Attila Stark hat den Haken ausgeworfen, ein ungarischer Künstler, mit einem Bein noch fest im street art/comic underground von Budapest verwurzelt und mit dem anderen Bein schon in der ungarischen Kunstszene. Sein Galerist, Patrick Urwyler, Schweitzer Kunsthistoriker, der zusammen mit Bogi Mittich die Galerie Chimera-Project in Budapest betreibt, ist auch Fan von Attila und hatte kurz vor der Messe taufrische Bilder aus dessen Atelier geschnappt, um sie auszustellen. Und mit Erfolg. Nicht nur, weil ich jetzt Sammler bin. Was sich daraus alles ergeben kann. Ich kann nicht nur jeden Tag ein in Budapest gemaltes Bild ansehen und mich daran erfreuen. Ich kann auch verfolgen, was aus Attila wird, ich kann ihn vielleicht mal kennen lernen und ich habe eine junge engagierte Galerie in Budapest entdeckt, die mir gefällt und mit der ich in Kontakt bleiben möchte.

Mein frisch erworbenes Werk hängt auch schon:

Stroke 2015 in München
Infundibulicybe von Attila Stark

Und damit mein zweiter Liebling der Messe nicht zu kurz kommt, auch für ihn noch ein paar Zeilen. Ein Kolumbianer mit Wohnsitz, Werkstatt und Laden in Berlin, dem der Schalk aus den Augen springt und der sehr sehr lustige Objekte (Lampen und Stühle und vieles mehr) bastelt und mit viel Lust erklärt: El Reinventor. Für seine Objekte stellt sich mir wieder die Schloss-Frage…

Die STROKE für mich ein super Erlebnis. Es gab natürlich noch viel mehr Arbeiten, die mir gefallen haben. Aber ein Blog reicht dafür nicht aus!

Dies und Das

Cooltourphorie: 25hours berlin bikini

Mai 1, 2015 — by Juli Tributs0

Gehören euphorische Berichte über Aufenthalte in Design Hotels auf einen Blog über Kultur? Ich finde ja, es ist ja aber auch egal, denn es ist ja MEIN BLOG, und auf dem kann ich machen was Juli Tributs will.

Also, die 25hours Hotels!!! Es gibt sie in Hamburg, Frankfurt, Berlin, Wien und Zürich und bald auch in München. Sie sind toll. Sie reagieren auf die Stadt und auf den konkreten Ort, an dem sie stehen. Aus dem The Goldman in Frankfurt wollte ich gar nicht weg, so schön ist es dort, und nicht nur weil der Hotelmanager für uns persönlich einen wunderbaren Cappuccino bereitet und uns in die Geheimnisse der einzelnen Zimmer eingeweiht hat (jedes Zimmer hat einen Paten und ist individuell nach dessen Vorlieben und Leidenschaften gestaltet), sondern auch weil Service und Atmosphäre so ganz besonders nett sind.

In das neue Berliner Baby habe mich sofort verliebt, als ich mich von der sehr tollen Bikini Shopping Mall am Zoo ins 25hours bikini berlin  verirrt habe. Die Rezeption ist eine Einladung zum Bleiben, man kann nicht aufhören zu schauen und zu staunen. Alles ist grün und offen und gleichzeitig ein bisschen wie im Dschungel, ein Spiel mit dem Zoo. Unter dem Dach in der Monkey Bar blickt man auf der einen Seite ins weite Grün, dahinter erahnt man die Stadt. Auf der anderen Seite ist Urbanität, an guten Nachmittagen mit spektakulärem Sonnenuntergang über der Gedächtniskirche.

Nun endlich, letztes Wochenende im April – kleines großes Geburtstagsgeschenk meiner Freunde (DANKE an Euch alle!!) – gab es endlich den lang ersehnten cooltourphorie Aufenthalt in einem der jungle rooms (mit der Nummer 807).

Juli Tributs im 25hours bikini berlin
8. Etage, auf dem Weg ins Zimmer 807

Die Wand nach Außen ist ein Fenster, eingelassen in den Boden und vom Bett aus schaut man den Affen beim Turnen zu. Der Schlaf ist von lustigen Geräuschen begleitet, es zirpt und zwitschert und manchmal brüllt es auch.

my room with a view into the zoo
my room with a view into the zoo

Die Zimmer sind originell gestaltet, Rohbetondecke meets Jungle. Wie auch oft in den Öko-Dschungel-Reservoirs findet das Duschen im Raum statt und beim Zähneputzen ist man auch nie allein. Am Morgen gibt es ein fantastisches Frühstück im Neni. Und wie immer in den 25hours Hotels gibt es die kleinen netten Aufmerksamkeiten, die den Aufenthalt versüßen  – die hippe Tasche zum Benutzen, das I-Pad Radio mit Ladestation, den gelben BMW Mini sowie Fahrräder zum Ausleihen. Und und und…

Es macht einfach riesigen Spaß. Das 25hours lädt ein zum Verweilen und beflügelt die Phantasie.  Das will Juli Tributs immer wieder!