main

Film News

„Taxi Teheran“: Mit Jafar Panahi unterwegs durch die iranische Gesellschaft

Juli 29, 2015 — by Juli Tributs0

Endlich gibt es mal wieder einen Film, der mir sehr am Herzen liegt, der nahe geht, der tiefgründig, dabei aber witzig und leicht erzählt ist und den ich uneingeschränkt jedem zum Anschauen empfehle: „Taxi Teheran“

 

Mit Taxi Teheran hat Jafar Panahi  den Goldenen Bären der Berlinale 2015 gewonnen
Taxi Teheran von Jafar Panahi ist in den Kinos!

Es ist der dritte Film, den der iranische Regisseur Jafar Panahi seit 2010, dem Jahr seiner Verurteilung zu 6 Jahren Haftstrafe und zu 20 Jahren Berufs- und Reiseverbot im Iran gedreht hat. Er setzt sich über sein Berufsverbot und all die Risiken, die mit diesem Vergehen verbunden sind, einfach hinweg, und das unter Teilnahme der internationalen Öffentlichkeit. Denn auch diesen Film hat er, wie bereits die beiden Vorgängerfilme, aus dem Land und auf die Berlinale geschmuggelt. Dort hat er für „Taxi Teheran“ den Goldenen Bären bekommen. Nun ist der Film in den deutschen Kinos. Ist das nicht beeindruckend? Nicht zuletzt wegen dieser internationalen Anerkennung hat ihn das iranische Regime bislang verschont. Statt im Gefängnis sitzt er – wenn auch nur für den Film – im Taxi und filmt mit Hilfe von drei Digitalkameras sich selbst, seine Insassen und manchmal auch die Welt draußen.

Das Taxi ist die Schutzzone in der Öffentlichkeit, die Kameras verlassen diesen Raum nicht und geben Panahi, seinen Gästen und ihren Gesprächen den Schutz, den sie im Iran unter der schiitischen Regierung immer noch brauchen. Dieses Arrangement ist aufgeladen mit Bedeutung – so ist das Taxi für die Bewohner Teherans offenbar auch im echten Leben ein Ort, an dem man offen sprechen kann. Man steigt zu, andere Gäste sitzen schon drin, man redet, niemand bleibt lang genug als das es gefährlich werden könnte, hier seine Meinung zu sagen. Gleichtzeitig ist das Taxi Sinnbild für die räumliche Enge, die das Reise- und Berufsverbot für Panahi und – um den ganz großen Bogen zu spannen – das Verbot von Meinungs-, Religions- und Pressefreiheit für die Bürger Irans mit sich bringt. Es ist geniales Mittel, um nicht nur Menschen, sondern vor allem ihre Geschichten zu transportieren.

Durch die Geschichten seiner zusteigenden Gäste zeigt uns Panahi ein Bild der Gesellschaft und ihrer aktuellen großen Themen. Diese überschneiden sich auf ganz leicht erzählte Weise mit dem Leben von Panahi selbst. Es geht gleich zu Beginn schon um nichts Schwierigeres als die Todesstrafe. Leicht wird das Gespräch durch die Personen, die es führen: Ins Taxi steigt ein massiger Mann mit großspurigem Auftreten und Silberkette um den Hals, er plädiert dafür, dass der Dieb von vier Autoreifen die Todesstrafe verdient. Die dazukommende Volkschullehrein verurteilt diese Haltung aufs Schärfste. Es werden Argumente ausgetauscht bis der Mann aussteigt und dabei – kleine Pointe am Schluss – zu erkennen gibt, dass er ein Taschendieb ist.

Gleich der nächste Mitfahrer ist ein Dealer. Er handelt mit der vielleicht wichtigsten Droge in einem Land, das keine Meinungsfreiheit duldet: Mit ausländischen Filmen. Wer solche Filme schauen will, wird ebenso wie derjenige, der sie anbietet, in die Illegalität getrieben; so wie Panahi (der vom Dealer als ehemaliger Kunde und als Regisseur, der wohl gerade einen Film dreht (?) „erkannt“ wird). Die Überschneidungen zu Panahi’s eigenem Leben setzen sich fort, als der Kunde des Dealers auftaucht. Er ist ein angehender Filmregisseur der hofft, durch das Schauen mehr oder weniger schlechter US-amerikanischer Filme zu Inspirationen für einen eigenen Stoff zu kommen und Panahi sein Leid ob seiner Einfallslosigkeit klagt. Für Panahi  kaum zu fassen, liegen doch die großen Themen auf der Straße, direkt vor einem, wenn man nur rausgeht (aus der privaten Schutzzone der eigenen vier Wände). Wie leicht es ist, sie zu erzählen und wie gefährlich, sich an sie zu wagen.

Es steigen zwei alte, schwarz verschleierte Frauen zu, die zwei Goldfische im Glas transportieren und sie in der Ali-Quelle aussetzen wollen. Dies soll sie vor dem Tod bewahren. Der theokratische Staat, der seit der islamischen Revolution 1979 keine anderen Religionen zulässt, scheint ein guter Nährboden für Aberglauben. Um den Tod und sein Folgen für die überlebende Ehefrau geht es auch bei den nächsten Gästen. Der Mann wurde bei einem Autounfall verletzt und wird von seiner Frau blutend ins Krankenhaus gebracht. Er diktiert sein Testament in das Handy von Panahi, in dem es allein darum geht, seine Ehefrau, die nach seinem Tod rechtlos wäre, vor der Gier seiner Brüder zu schützen. Wie weit ist ein Staat von seinen Bürgern entfernt, wenn er seine Frauen derart rechtlos stellt.

Es folgt der niedlichste Auftritt im Film. Die Nichte von Panahi, die unglaublich süße, altkluge und sehr gewitzte 8-jährige Hana Saeidi wartet vor der Schule, an der sie Panahi abholt. Ihre Geschichte gibt anschaulich wieder, womit Panahi zu kämpfen hat: die Unmöglichkeit, einen staatskonformen Film im Iran zu produzieren und zu zeigen. Hana ist dabei, für ein Schulprojekt einen Film zu drehen. Dieser soll einerseits die Wirklichkeit zeigen. Andererseits hat die Lehrerin dafür einen riesigen Katalog an Regeln mitgeteilt: Neben den Kleider- und Verhaltensregeln (Männer sollen keinen Anzug und Krawatte tragen, es dürfen keine Beziehungen zwischen Mann und Frau gezeigt werden usw.) bereitet es Hana vor allem Sorge, wie sie es schaffen soll, keine „Schwarzseherei“ zu filmen. Wie kann sie Realität filmen unter diesen Regeln? Egal was sie filmt, es wird den Zensoren nie gefallen, weil die Realität den strengen Filmregeln nicht entspricht. Das sieht ja jedes Kind! Wie könnte man von der Unmöglichkeit, einen realistischen Film im Iran zu drehen, leichter und augenzwinkender erzählen, als durch die Brille eines Kindes…

Die wohl beeindruckendste Szene aber ist der letzte Auftritt einer lächelnden, farbenfrohen (nicht schwarz verschleierten) sehr zarten Dame mit einem roten Rosenstrauß. Sie ist auf dem Weg ins Gefängnis, um eine weibliche Gefangene im Hungerstreik zu besuchen. Sie ist neben dem Regisseur und seiner Nichte Hana die einzige, die sich selbst unter ihrem echten Namen spielt. Sie macht das, weil sie – im echten Leben! – unfassbar mutig ist und weil sie wahrscheinlich eh nichts mehr zu verlieren hat: Es handelt sich um Nasrin Sotudeh, eine der bekanntesten Anwältinnen und Menschenrechtsaktivistinnen im Iran. Sie war über Jahre inhaftiert und selber im Hungerstreik. Und sie erträgt die Repressalien des Staats mit offenbar unerschütterlichem Gleichmut: Lächelnd plaudert sie mit Panahi über die Methoden der Einschüchterung und Unterdrückung in einem Unrechtsstaat, die beide am eigenen Leib erfahren haben und mit denen beide tagein tagaus kämpfen.

In dieser Leichtigkeit, mit der diese Plauderei daherkommt, kulminiert die große Haltung beider Protagonisten: Sie bleiben im Land, sie lassen sich trotz aller Versuche der Einschüchterung weder ihren Mund noch ihren Beruf verbieten und auch sonst nicht unterkriegen. Mit innerer Leichtigkeit, so zeigt es der Film, mit Witz und einem Lächeln auf den Lippen kämpfen sie weiter, für sich, ihre Mitbürger und ihre Ideale. Das verdient größten Respekt und Anerkennung. Deshalb und weil er trotz seiner Tiefgründigkeit großen Spaß macht, muss man den Film schauen und darf sich von ihm für’s eigene Leben ein Stück Gelassenheit und ein Stück Mut abschauen.

Theater News

Juli im Sommerloch mit Kammerspiele Abschiedsweh

Juli 24, 2015 — by Juli Tributs0

14 Tage seit der letzten Veröffentlichung. Was macht Juli nur? Sie treibt sich schon rum, auch kulturell, nur hat sie darüber nicht schreiben können. Sie ist gerade etwas zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, gemeinhin auch Arbeit genannt. Und dann ist da noch die Hitze und der See…

Gmund am Tegernsee
Mein Tegernsee

Aber heute muss es wieder mal sein. Zeit für ein Resumé:

Juli war in der letzten Vorstellung von Lola Montez am Residenztheater, einem Operettenklamauk-Abend von ihrem Berliner Theaterliebling, Jürgen Kuttner, speziell für das Cuvilliétheater maßgeschneidert. Darüber wollte sie aber nicht schreiben. Es hat ihr nicht gefallen. Erwartet hat sie eine freche kluge Inszenierung. Bekommen hat sie viel Operetten Schmonzette in verstaubter Kulisse und ollen Kleidern. Genau fünf Minuten waren witzig, als Kuttner in gewohntem Schnellsprech nach Videoschnipsel-Manier in einer „Reflexionspause“ erklärt, wie er „von Hegel bis zu Lola Montez kegelt“. So hätte der Abend inszeniert sein müssen, war er aber nicht. Weil es aber eh der letzte Abend war, muss man sich über Empfehlung ja/nein keine Gedanken machen. Und besser auch nichts weiter schreiben darüber.

Dann nimmt Juli mit viel Wehmut von Inszenierungen, Schauspielern und einer ganzen Kammerspiele-Ära Abschied. Jeden Tag sagt das Programm der Münchner Kammerspiele, „Zum letzten Mal!“. Freunde von Juli sind plötzlich im Hype, sie wollen alles noch sehen und gehen fast jeden Tag ins Theater. Das ist schön zu sehen, ich fühle mich dafür (mit)verantwortlich. Aber es ist eben auch traurig, wenn alles vorbei geht.

Ich habe auch noch letzte Abende an den Münchner Kammerspielen gesehen: Dem Himmel sei Dank war ich noch in „Späte Nachbarn“ – Zwei Séancen von Alvis Hermanis nach Geschichten von Isaac B. Singer. Ein grandioser Abend. Alles toll toll toll. In der ersten Séance sieht man André Jung als 85-igjährigem jüdischem Kauz beim Leben zu in seinem Beach Apartment bei Miami. Er verliebt sich für einen Tag in seine neue, verwitwete Nachbarin, ebenfalls grandios von Barbara Nüsse gespielt, und dreht dabei noch mal richtig auf. In der zweiten Séance sind die beiden alte Nachbarn in New York, Andrè Jung darf an ihren telepathischen Séancen teilnehmen in einem wunderbar verramschten Yoga-Indienkult-Bühnenbild. Das ist ein Theater! Und ist an Schauspielkunst kaum zu übertreffen.

Sehr schön war auch „Hundeherz“ von Michail Bulgakow in der Regie von Matthias Günther. Ein lustiger kurzweiliger Theaterabend. Beide Inszenierungen zeigen, dass man Romanadaptionen doch sehr gut auf eine Theaterbühne bringen kann.

Die Zofen von Jean Genet (Regie Stefan Pucher) haben mich auch überaus gut unterhalten: Brigitte Hobmeier und Annette Paulmann als den zwei Zofen Claire und Solange bei ihrem leicht sadomasochistischem Rollenspiel und Wiebke Puls als gnädiger Frau zuzusehen, ist die reine Lust.

Am kommenden Samstag (25.7.) gibt noch eine letzte große Finaleparty an den Kammerspielen. Und dann ist Schluss mit der Intendanz von Johan Simons. Ob wohl in jedem Abschied ein guter Neubeginn liegt? Vergleicht man die alte und die neue Web-Seite der Münchner Kammerspiele (schon zu sehen für die Spielzeit 2015/16) wird die Wehmut erst mal nur größer. Schaut selbst. Grellgelb ist auch eine Farbe.

Vor dem Ende der Simons-Ära gibt es noch einmal André Jung, meinen absoluter Lieblingsstar (neben vielen anderen Lieblingen). Er ist noch ein letztes Mal zu sehen am Samstag in Hiob, aber es ist ausverkauft. Juli weint und fährt deshalb besser an den Schliersee. Dort ist das ganze Wochenende Seefest. Das ist immer sehr schön, am Samstagabend kann man romantisch mit einem lampionbestückten Bötchen über den See schippern  und das Feuerwerk genießen.

Und dann kommt: das Sommerloch. Was das wohl bringt?

Theater News

„der die mann“ nach Konrad Bayer an der Volksbühne Berlin

Juli 11, 2015 — by Juli Tributs0

Herbert Fritsch hat die Essenz eines geschriebenen Lebenswerks genial, hochästhetisch und amüsant auf die Volks(Bühne) gebracht.

Ich bin dafür aus München angereist. Es ist Freitag. Zweieinhalb Stunden nach Landung und fünf Stunden nach der Flucht vom Schreibtisch in den Werken sitze ich, umgeben von vier Freunden, in der ausverkauften Volksbühne in Berlin, Reihe 7. Es geht los.

Schon der Beginn ist grandios. Die ersten Minuten berauscht uns Musik. Fulminant. Vier Live- Musiker (unter Leitung von Ingo Günther) die uns sofort in Stimmung bringen. Dann öffnet sich der Vorhang. Uns flasht die rot ausgeleuchtete Drehbühne, auf der sich die Showtreppe und ein schrill gelber überdimensionierter Grammophontrichter im Kreis drehen. Wie Wachsfigurenpuppen sitzen plötzlich bei der nächsten Umdrehung die Schauspieler auf der Treppe, wie im Spuk verschwinden sie wieder von dieser und stehen bei der nächsten Drehung hinter hier. Die Magie des Abends beginnt. Die sieben grandiosen Darsteller, sie stecken in knallfarbenen Latexanzügen und -kleidern, ihre Gesichter maskenartig, Barbie und Ken in Porzellan gegossen, Popartfiguren. Sie sprechen Bayer’sche Wortschlangen in unfassbarer Geschwindigkeit und Exaktheit, mal im Chor und mal allein. Sie jumpen am Gummieseil in den Himmel und wieder hinab. Sie liegen auf dem Boden und werfen Schatten an die nun nicht mehr rot, sondern grün ausgeleuchtete Wand. Wie Käfer bewegen sie sich am Boden und in ihrem Schattenspiel entstehen vielarmige Insekten am Bühnenhimmel. Das sind Vexierbilder, Sprache ist Magie und so ist es das Theater, mit allem drum und dran, Kostüm, Licht, Spiel oder Schattenspiel. Allein diese ersten 15 Minuten in popfarben sind so bizarr kreativ und ästhetisch, dass eine Steigerung nicht vorstellbar ist. Aber so überraschend vielseitig die Sprachfantasien von Konrad Bayer, so faszinierend sind die Umsetzungen von Herbert Fritsch. Wir jedenfalls sind schon zu Beginn nicht nur begeistert gebannt, sondern auch total scharf: auf die knalligen Gummianzüge! Und auf mehr gesprochene und inszenierte Wortakrobatik. Und auf Gummieseilhüpfen.

Zu dieser Wahnsinnsinszenierung von Fritsch muss man wissen, er huldigt offenbar einem Idol. Konrad Bayer. Mitglied der Gruppe 47. Dadaist. Geboren 1932 in Wien. Sein Hauptwerk fasst 450 Seiten Kleingeschriebenes. Es ist entstanden bis 1964, dem Jahr, in dem er sich mit 32 Jahren umgebracht hat. Möglicherweise, so lese ich, weil seine Texte in der Gruppe 47 nicht so aufgenommen wurden, wie er es wünschte, vielleicht aber auch, weil er als echter Wiener generell des Lebens müde war… Who knows. Rock me Amadeus.

Die Inszenierung von Fritsch, über 50 Jahre nach dem Tod von Konrad Bayer, vereint die Kulturgeschichte dieser gesamten Zeit bis heute, nun ja, eigentlich der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts: ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit sehe ich Andy Wahrhol und Pop Art, Madonna und Barby, Beatles und dann schon Musical und 80ies Glamour mit Showtreppe, es ist Rocky Horror Picture Show und Greece, Nina Hagen und Neue Deutsche Welle und vieles mehr (ich hoffe Fritsch reißt mir nicht den Kopf ab, naja, er wird es nicht lesen…)

Zurück zum hier und jetzt. „der die mann“ geht weiter. „franz goldenberg kam zur tür herein und gab mir die hand. dr. ertel gab marion bembe die hand. marion bembe gab dr. aust die hand. dr. aust gab dr. herbert krech die hand. dr. herbert krech gab fräulein gisela lietz die hand…“ Und so geht es weiter bis einer aufgefordert wird, den Empfang unverzüglich zu verlassen (in heutigen Zeiten der Autokorrektur hätte Bayer mit dem Kleinschreibtick allein deswegen schon Anfälle bekommen…)

Es ist ein rauschendes Sprech- und Spielfest. Wer Konrad Bayer nicht kennt, kennt vielleicht Ernst Jandl oder H.C.Artmann. An Jandl erinnern die mäandernden Tautologien, Bayer formt endlose Wortschleifen deren Sinn man(n), wenn sie einen haben, bei der Schnelle und dem Rhythmus nicht wirklich erfassen kann. Beispielhaft, herrlich sinnentleert steht dafür „der Karl im Karl“. Darin geht es ungefähr etwa 20 Minuten darum, dass: der Karl, der erscheint mit Karl auf dem Karl, der vor dem Karl sich auf den Karl wirft, in den Karl hineingeht und neben dem Karl steht… (oder so ähnlich, mitschreiben hoffnungslos).

Dazwischen gibt es Slapstick am und mit dem Mikrofon. Die Ständermikrofone sind hier eigenständige Wesen, ein gelbes, ein rotes ein blaues. Schwer zu bändigen, so wie die Wortmäander von Bayer, nehmen sie Besitz von ihren Schauspielern. Das ist so lustig, dass ein anwesendes etwa achtjähriges Kind im Publikum mit Lachen gar nicht mehr aufhören kann, wir Erwachsene tun es ihm gleich.

Dann kommt „der die mann“ in drei Fassungen. Das muss man sehen und hören. Es ist Nonsens und Wortakrobatik, komisch schräg, dada, toll. Danke an Herbert Fritsch, der uns mit solch einem Abend beschenkt.

Auf nach Berlin. Die Volksbühne macht kurz Sommerpause und dann geht es mit „der die mann“ weiter. Ich möchte mit allen meinen Freunden jeweils einzeln noch mal reingehen. Ich glaube, dann spielt die Volksbühne es für mich noch Jahre. Oder bis Chris Dercon übernimmt.

Kunst

MaximiliansForum: Kühler Ort für Kunst im Untergrund von München

Juli 1, 2015 — by Juli Tributs0

Kunst im MaximiliansForum – Passage für interdisziplinäre Kunst

Es wird heiß die nächsten Tage in München. Perfekt für eine kurze Verschnaufpause im Münchner Untergrund. Es locken die gelben Schilder, die den Namen des städtischen Kunstraums für die angewandten Künste sowie für interdisziplinäre Kunst- und Kulturprojekte tragen:  MaximiliansForum.

Es geht an vier Abgängen runter, direkt unter die Maximilanstraße. Man betritt eine kühle und wunderbar im Design der 70er Jahre hellblau gekachelte Fußgängerpassage, die seit den 70ern der Kunst dient. Die Rolltreppen sind außer Funktion und wild von Pflanzen überwuchert. Das allein hat schon eine starke Ästhetik, die in gutem Kontrast zur sonst modern durchgestylten Fassadenwelt der großen Marken in der Maximilianstraße steht.

MaximiliansForum, städtischer Kunstraum
Untergründiges MaximiliansForum in München

Nun gibt es dazu aber auch noch zwei sehr sehenswerte Projekte zu sehen.

Noch bis zum 26. Juli 2015 läuft hier die Zweikanal-Videoanimation „The very moment“ der Künstlerin Veronika Veit. Die Installation passt perfekt in den Raum. Das Video zeigt eine Szenerie, in der sich die Zeit ineinander faltet. Eine Frau bewegt sich, so wie auch ihre Katze, im Zimmer und begegnet sich scheinbar immer wieder selbst. Es gibt kein Vorher oder Nachher, sondern nur den einen Moment. Das ist schön und zugleich auch witzig anzuschauen. Man beobachte die Katze! Die Ohren bekommen coolen Klangsound, der im Untergrund ganz besonders zur Wirkung kommt. Dazu gibt es noch recht theoretische Überlegungen zur Quantenphysik und zum Zeitmodell der Unschärferelation. Anschauen und Anhören lohnt sich.

Veronika Veit im MaximiliansForum
„The very Moment“ – Videoinstallation von Veronika Veit

Gegenüber schaut man auf ein Projekt der TU München: C9 layer_department of architecture_TUM. Erster Sinneseindruck kommt von der Nase: es riecht nach Erde und nach Champignons. Erst nach und nach erschließt sich, dass der Glaskasten vor einem tatsächlich voller Erde ist und aus der Erde vereinzelt Pilze wachsen. Das alles wirkt im ganzen Kunstzirkus wunderbar erdig und geerdet. Ein pilziges, landschaftsplanerisches Experiment der Fakultät für Architektur der TU München.

MaximiliansForum zeigt: layer_department of architecture_TUM
Da wächst der Pilz! Projekt layer_department of architecture_TUM

Hier rennt die Zeit zum Anschauen davon – das Projekt endet nächsten Dienstag, dem 7. Juli 2015. Es gibt ab 19 Uhr die Abschlussveranstaltung mit Pilzverkostung!

Also noch schnell hin, bevor die Pilze verspeist sind.