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Kunst

STROKE: Kunst für das 21. Jahrhundert in München

Mai 6, 2015 — by Juli Tributs0

Wie gut, dass es am 1. Mai in München wie aus Kübeln geregnet hat! Sonst wäre ich möglicherweise nicht auf die STROKE gegangen und hätte möglicherweise ein Bild weniger in meiner Wohnung…

Wie viele Menschen nun an einem solchen Tag ihr Herz für urbane und junge Kunst entdecken. Es ist absolut faszinierend. Die STROKE auf der Praterinsel in München war am Freitagnachmittag so überfüllt, dass man Schlange stehen musste, um die Kunst genauer betrachten zu können. Aber: das ist ganz egal, es lässt sich ausblenden, man kann sich einfach durchwühlen.

Es macht mich sogar froh – es ist gut für die Kunst und die Künstler und ja, auch für ihre Galeristen. Ist das nicht ein toller Erfolg für eine abgefahrene Kunstmesse, die es seit gerade mal 2009 gibt und die von Marco und Raiko Schwalbe gegründet wurde, weil sie sich trotz jahrelanger Galeriearbeit die Gebühren für die großen etablierten Kunstmessen nicht leisten konnten. Ihr Ziel war es, „einen idealistischen und vor allem unbelasteten Blick auf junge Kunstentwicklungen zu ermöglichen“. Und das haben sie erreicht, finde ich! Kritik, die Messe sei zu kommerziell geworden, zu viele Galeristen zu wenig Künstler, wird dem Anspruch einer Messe nicht gerecht. Wichtig ist doch, dass die Künstler auch ein Forum haben für Sammler und eine Chance, ihre Werke nicht nur zu zeigen, sondern auch zu verkaufen. Und die Kritik mangelnder Qualität, naja, es gibt immer verschiedene Geschmäcker und es ist für jeden etwas dabei.

Über das Interesse an der Messe freue ich mich diebisch, weil ich beseelt bin von der Idee, Kunst zu unterstützen, damit sie sich entfalten kann. Weil ich und alle anderen Nichtkreativen die Kunst brauchen, sie unser Leben schöner, bunter und reicher macht. Und weil Künstler wiederum Sammler brauchen, die ihre Werke bestaunen, bewundern und eben auch mal kaufen.

Ich wiederum bräuchte für die Sammelei besser ein Schloss, statt der 50 qm Wohnung. Aber es findet sich auch an meinen Wänden immer wieder ein Plätzchen für Neues, wenn ich nur will…  Und ich wollte. Es kam spontan, ein Blick und alles war klar (auch wenn ich noch drei Runden durch die Messe brauchte, um meine Kaufentscheidung endgültig zu treffen). Faszinierend, wie ein Bild plötzlich im Kopf einen Haken setzt, trotz der tausend anderen Eindrücke, die auf einen einprallen. Kunst ist eben doch sehr individuell.

Attila Stark hat den Haken ausgeworfen, ein ungarischer Künstler, mit einem Bein noch fest im street art/comic underground von Budapest verwurzelt und mit dem anderen Bein schon in der ungarischen Kunstszene. Sein Galerist, Patrick Urwyler, Schweitzer Kunsthistoriker, der zusammen mit Bogi Mittich die Galerie Chimera-Project in Budapest betreibt, ist auch Fan von Attila und hatte kurz vor der Messe taufrische Bilder aus dessen Atelier geschnappt, um sie auszustellen. Und mit Erfolg. Nicht nur, weil ich jetzt Sammler bin. Was sich daraus alles ergeben kann. Ich kann nicht nur jeden Tag ein in Budapest gemaltes Bild ansehen und mich daran erfreuen. Ich kann auch verfolgen, was aus Attila wird, ich kann ihn vielleicht mal kennen lernen und ich habe eine junge engagierte Galerie in Budapest entdeckt, die mir gefällt und mit der ich in Kontakt bleiben möchte.

Mein frisch erworbenes Werk hängt auch schon:

Stroke 2015 in München
Infundibulicybe von Attila Stark

Und damit mein zweiter Liebling der Messe nicht zu kurz kommt, auch für ihn noch ein paar Zeilen. Ein Kolumbianer mit Wohnsitz, Werkstatt und Laden in Berlin, dem der Schalk aus den Augen springt und der sehr sehr lustige Objekte (Lampen und Stühle und vieles mehr) bastelt und mit viel Lust erklärt: El Reinventor. Für seine Objekte stellt sich mir wieder die Schloss-Frage…

Die STROKE für mich ein super Erlebnis. Es gab natürlich noch viel mehr Arbeiten, die mir gefallen haben. Aber ein Blog reicht dafür nicht aus!

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