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Kunst

ArtMUC 2015 – Kunst aus München auf der Praterinsel

Mai 19, 2015 — by Juli Tributs0

Und wieder ist Kunstmesse in München. Same place, same environment… wie vor zwei Wochen, als die STROKE Art Fair stattfand. Also auf zur Praterinsel in München zur ArtMuc, an einem Wochenende im Mai, es gibt Kunst aus und um München. Die rund 100 Künstler, von einem Creative Board aus wohl sehr sehr viel mehr Bewerbern ausgewählt, sind anwesend. Es sind auch lokale Galerien präsent und auf Einladung der Messe die Klasse Anke Doberauer der Akademie der Bildenden Künste München.

Der Rundgang geht los. Ich bin erstaunt, viel interessante Kunst in München entsteht. Und wie nah und unmittelbar es auf der Messe zugeht. Wer sich nicht traut – so wie ich – die Künstler anzusprechen, der wird von ihnen angesprochen, wenn er nur lange genug vor einem Werk verweilt. Ich verweile tatsächlich recht oft, weil mir gefällt was ich sehe. Es sind nicht nur die ganz großen raumfüllenden Arbeiten die einen gefangen nehmen, wie Aura, eine Installation der Klasse Anke Doberauer:

Aura, Installation Klasse Anke Doberauer, Akademie der Bildenden Künste München
Aura, Installation Klasse Anke Doberauer, Akademie der Bildenden Künste München

oder die Videoinstallation Replex #2 Horizontal von BettyMü, eingehüllt in den Sound von Limb:

Es gibt auch kleine exquisite Arbeiten zu entdecken. Auch wenn vielleicht nicht alles so großartig ist, wie die Malerei, die derzeit in New York entsteht und die im Kunstmuseum Bonn (New York Painting, bis 30.08.2015) zu sehen ist – München muss sich nicht verstecken. Mir gefallen viele Arbeiten. Und jeder hat ja sowieso seinen ganz persönlichen Geschmack!

Zuallererst nehmen die sehr hübschen Leuchtkästen (dancer in the dark) von Sonja Herpich meinen Blick gefangen. Sie hat sich fotografisch mit Schnee befasst, der wird auf Aludibond im Leuchtkasten dann ganz wunderbar von hinten zum Leuchten gebracht. Und schon denke ich, was ich immer denke, wenn mir etwas gefällt: Das will ich haben! Gleich weiter geht es mit den faszinierenden kleinen Objekten (aus der Serie Ordnung ist das halbe Leben), die die Künstlerin Andrea Mähner als Ergebnis ihrer Lust an mathematischen und geometrischen Konstellationen aus allerlei naturgegebenen Materialen bastelt. Das sieht dann, neben der Ernsthaftigkeit, die der Konzeptkunst (bei ihr „Zahlart“) anhaftet, auch entzückend aus und ist bei oder wegen aller Mathematik dahinter auch sehr witzig.

Ich schlendere weiter, fühle mich schon jetzt bestens aufgehoben auf der ArtMUC und komme zu den White Rooms von Thiemo Kloss. Fotos uniformer Menschenszenen mit Gefängnischarakter. Er fügt mehrere Ebenen auf Alexi hintereinander – da wird das Foto zum Raum. Mir gefällt die Malerei von K.di Parenzo Jordan, die mit ihren neuen Bildern eine Mischung aus Maria Lassnig und Frida Kahlo schafft. Und es geht immer weiter. Es kommen Arbeiten von Christian Kreisel, der einige Bilder aus der Serie Heimat zeigt und neue Arbeiten auf einer Collage aus Mosaik und Spray und irgendwie an die Münchner Surferszene erinnert.

Es gibt natürlich noch viel mehr zu sehen und zu entdecken, der Raum dieses Blogs reicht dafür nicht aus.

Mir hat es noch eine junge Fotografin angetan, Julia Schneider, die mit ihren auf der Messe ausgestellten Fotoarbeiten aus der Serie „snapshot memories“ an William Eggleston erinnert. Fotografien zufälliger Szenerien paaren sich durch ihre spätere Auswahl und so entstehen schöne Bezüge. Eines ihrer Fotopärchen hängt (fast, noch stehen sie) nun auch an meinen Wänden:

Abenteuer Straße
„snapshot memories“ Abenteuer Straße

Für mich ist der Messebesuch eine wunderbare Erfahrung. Was macht es nun aber aus, worin liegt der Unterschied dieser ArtMuc zu Galeriebesuchen? Die Messe macht mich als Besucher nicht nur zum Betrachter, sondern zum Teil des Programms, hier gibt es Kunst, die ich sofort mitnehmen kann, unspektakulärer präsentiert als in einer Galerie. Kunst kaufen kann ich natürlich auch in Galerien, aber da bin ich als potentieller Käufer mehr im Fokus des Galeristen, ich habe weniger Auswahl, ich habe keinen Kontakt zum Künstler. Auf der Messe bin ich durch die Masse der Besucher geschützt, ich kann schlendern und schauen… was sich dann nach ganz viel Kunst im Hirn als Idee einnistet und auch über Nacht noch da bleibt, das ist es dann….

Der nächste Unterschied für mich ist bei dieser Messe die direkte – gleichwohl nie ausgesprochene – Einladung des Künstlers (nicht des Galeristen!!) zum Talk und zum Kauf. Sie sind häufig genau so schüchtern wie man selber, man nimmt zart Kontakt auf, die Messe macht uns zu Komplizen: Ich bin kein erfahrener Sammler, nicht alle Künstler sind erfahrene Verkäufer. Sie erklären ihre Kunst selbst am besten und so entsteht eine Annäherung der eigenen Art. Und sammeln will man doch Arbeiten der Künstler, nicht der Galeristen. Der direkte persönliche Kontakt eröffnet erst den Bezug, und mag man die Kunst und den Künstler dann ist die Entscheidung zum Kauf viel leichter, jedenfalls geht es mir so. Und es ist doch in Ordnung, wenn es bei Kunst in zweiter Linie auch darum geht, dass mal einer ein Kunstwerk erwirbt.

Wem das jetzt alles etwas zu kommerziell ist: mich hat der Umstand, dass ich auf einer Messe war, zum Nachdenken darüber gebracht. Eines ist ja klar, in allererster Linie geht es um Betrachten und Genießen von Kunst und den Austausch darüber. Und weil der mit den Künstlern so gut klappt und diese einem auf der Messe so nah wie sonst kaum kommen, finde ich das Konzept dieser Messe, die Künstlern und Besuchern diese Plattform bietet, super.

Hoffentlich findet sie nächstes Jahr (das wäre das dritte!) ihre Fortsetzung.

 

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