main

Reiseberichte

Juli in Caceres

Juni 4, 2015 — by Juli Tributs0

Juli in der Plaza de Torros in Caceres
El Juli en la plaza de Torros en Caceres

Samstag, 30. Mai, 9. Tag:

Wir wachen im Kloster auf, es ist

Retama, süß duftend und belebt
Retama auf der via de la plata

kurz vor 7 Uhr und es herrscht geschäftige Aufbruchstimmung im Saal. Na gut, stehen wir eben auch auf. Heute lassen wir es entspannt angehen. Wir haben es nicht so weit, es sind nur etwa 17 km bis zur nächsten Schlafstation, Aldea del Cano. Noch einen Ort weiter laufen wollen wir nicht, es wären noch mal 10 km mehr und das für eine Nacht im Rathaus auf dem Boden. Das muss nicht unbedingt sein. Nach dem Gewaltmarsch am Vortag ist die kurze Etappe perfekt. Wir werden vom Alberguero des Klosters herzlich verabschiedet: Wenn ihr wiederkommt, erwarten wir euch.

Gleich gegenüber vom Kloster ist die Bar mit Kaffee und Frühstück. Wir lassen es krachen und probieren gleich noch den lokalen jungen Wein. Nicht, weil es im Kloster am Abend keinen gab und wir unter Entzug leiden, sondern aus purer Neugier, weil er überall rumsteht. Die Hombres, die – wie soll es anders sein – auch schon auf ihren ersten Kaffee da sind, finden das gut und deuten mit Mimik und Gestik an, dass er irre schnell besoffen macht. In den Dörfern und Städtchen, durch die wir kommen, scheint es üblich, einen kleinen Schnaps zum Kaffee zu heben, manchmal sieht man ihn auch ohne Kaffee. Also Salut.

Es ist kurz vor 8 h und wir laufen los. Wir wandern an tausenden gelben Retama Büschen vorbei. Aus ihnen duftet es süß, es summt und lebt im Busch. In Deutschland gibt es Retama nicht. Ich mag sie sehr, sie begleiten uns vom ersten Tag an. Ab jetzt werde ich sie immer mit dem camino de la plata verbinden.

Wir sind auf der calzada romana, am Wegesrand stehen die ersten Meilensteine aus römischer Zeit, die miliarios. Auch sie begleiten uns von nun und weisen uns den römischen Weg, wir wandeln über vereinzelte Reste der Straße und kleine Brücken. Es ist unglaublich, wie lange die von den Römern gebauten Straßen erhalten sind.

Wir passieren ein kleines Dorf. Dieses Dorf hat etwas sehr besonderes für uns, wahrscheinlich muss man schon länger zu Fuß unterwegs sein, um sich darüber zu amüsieren. Schon von weitem sehen wir das Schild auf dem Dach: Night Club Pecado (auf Deutsch Sünde). Im Schriftzug steckt die Sünde im O, dieses hat kleine Teufelshörnchen und in ihm räkelt sich eine nackte Frau, das O selber ist ein Cocktailglas. Das kleine Haus daneben ist rosa angemalt. Huuuuuuuuh Sünde.

So weit so gut. Das ist ja nichts besonderes. Aber unmittelbar daneben steht das Altersheim, la casa de mayores. Wirklich keinen Meter entfernt. Beide Häuser stehen direkt an der Landstraße, außerhalb des Dorfes. Das finden wir lustig. Vor dem Altersheim parken viele Autos… Wen sie wohl besuchen? Oder hat die Oma besonders liebevolle Söhne… ?

Als wir um 12 Uhr in Aldea del Caño ankommen, ist es schon wieder schön heiß. In der Casa rural an der Mini-Plaza mit Kirche und mehreren Störchen auf dem Dach gibt es genau noch ein freies Zimmer. Das ist unseres.

Es ist toll, wie man in Spanien früher gebaut hat. Draußen hat es 37 Grad und innen im alten Landhaus ist es, ganz ohne Klimaanlage, schön kühl. Wunderbar, um am Nachmittag auszuruhen. Unsere Reise wird auch eine Entdeckungsreise der vielen Casas rurales, die in den kleinen Dörfern in den letzten Jahren mit staatlicher Hilfe entstanden sind. In unserem heutigen Fall wurde das Haus des Opas in ein Casa rural umgerüstet, Opas altes Zimmer war sogar unseres.

Die casas rurales sind immer alte und meist auf dem Land. Für die Renovierung und Verwandlung gibt es neben dem Kredit der Bank auch einen staatlichen Zuschuss. Die gesamten Finanzdaten sind, mit Gesamtinvestitionssumme, Eigenkapital und Kreditzinsen, auf einem Schild der Junta Extremadura an der Außenwand des Hauses angebracht und für alle einsehbar. Transparenz ist alles. Jedenfalls kann man in ihnen sehr schön wohnen, für etwa  15-25 Euro pro Person. Das Haus hat dicke alte Mauern und Holzdecken und ist spanisch rustikal eingerichtet. Mir gefällt das so gut, dass ich sie den Albergues vorziehe und dafür auch mal auf den ein oder anderen schnarchenden Italiener verzichte.

Es passiert nicht sehr viel mehr an diesem Tag. Wir gehen Mittags noch Essen in das einzige Restaurant und verbringen dort auch den Abend mit Blog und Fußball im Fernsehen… und natürlich vielen Hombres im Durchschnitt gefühlt eher über 70. Das Lokal ist das Wohnzimmer des Dorfes, wie immer.

Sonntag, 31. Mai, 10. Tag:

Wir laufen früh um 6.41 Uhr los. Wir haben geplant! Wir wollen nur 11 km nach Valdesalor laufen und uns die restlichen 12 km nach Caceras schenken. Es ist ja schöner, den Tag mit Kraft in der Altstadt, die zum Weltkulturerbe gehört, zu verbringen, als durch Felder und den unattraktiven Stadtrand zu laufen. Unser Plan sieht also vor, dass wir kurz nach 9 Uhr in Valdesalor eintreffen, dort einen Kaffee trinken und in den Bus steigen, der laut Fahrplan im Internet stündlich fährt.

Wir treffen wie geplant kurz nach 9 Uhr ein. Das Dorf ist eine von Franco errichtete, relativ neue Ansiedlung. Nicht besonders attraktiv und sehr verschlafen. Keine offene Bar weit und breit. Der Bus am Sonntag wurde aus Spargründen eingestellt. Mist. Unser schöner Plan. Wir wollen ihn aber noch nicht aufgeben…. Und wieder gibt es einen der schönen unverhofften Pilgermomente. Wir stehen unentschlossen rum, da kommt ein Kleinbus und hält und fragt uns, wo der camino ist. Im Auto sitzt ein Mann, der zu einer Wandergruppe aus Katalunien gehört, aber wegen seines defekten Beins nicht mitlaufen kann. Er spielt den Chauffeur und sammelt die Gruppe ein, wenn sie nicht mehr laufen mag. Wir haben Glück, die Gruppe will laufen und wir fahren mit ihm in die Stadt. Also, Plan hat nicht ganz so geklappt, wie wir wollten, sondern besser. Was für ein Zufall, wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So ist das Pilgern. Es passiert immer etwas.

Als wir aussteigen in Caceres, sind wir schon mitten unter einer schattigen Allee, die sich als Sonntagsmarkt für alle guten Spezialitäten der Extremadura entpuppt. Neben Schinken und Salami sind das auch Käse, Kirschen und Wein. Ankommen der besten Art. Wir haben noch nicht gefrühstückt und probieren gleich los. Wir sind übrigens nicht nur auf der via de la plata und dem Camino de Santiago und den cañadas reales unterwegs, sondern auch auf der ruta de jamon iberico.

Caceres ist sehr entspannt. Es wurde 54 v. Chr von den Römern gegründet, die Altstadt ist wunderschön und gehört zum Weltkulturerbe.

Überall hängen große Plakate, die los toros mit Juli ankündigen! Wer ist Juli? Juli bin doch ich? Kein Witz, mein Namensvetter ist einer der besten Toreros Spaniens. Und er wird heute in der plaza de torros in Caceres sechs Stiere ganz allein bekämpfen. Es ist DAS Ereignis schlechthin. Die gesamten Einnahmen spendet El Juli für krebskranke Kinder. Und der Kampf wird, das wissen wir vorher natürlich nicht, zu einem der ganz seltenen, herausragenden Kämpfe, zu einem Jahrhundertereignis. Legendär. Und Juli Tributs ist dabei. Über die Corrida mit El Juli und Juli Tributs gibt es einen extra Blog, die Aufregung muss gesondert verarbeitet werden. Was jedoch unbedingt an dieser Stelle noch erwähnt werden muss, ist wieder der Zufall, der unser Pilgern begleitet. Wir sind am Sonntag, den 31. Mai in Caceres. Hatten ni puta idea vom Stierkampf und El Juli. Ich wollte eine Corrida besuchen, wir hatten schon in Córdoba und in Mérida gefragt… Jetzt in Caceres klappt es. Aber es ist nicht nur das, es ist auch noch der beste Torero da und er wird allein kämpfen, was es sonst nie gibt. Die Stadt bebt schon Stunden vorher vor Aufregung. Um 18 h geht es los. Die Arena (Plaza de Torros) ist gleich um die Ecke unseres Hostals (Zufall!).
Wir kaufen das Ticket schon um eins, besser ist besser, es steht auch eine kleine Schlange am Schalter. Man kann in die Arena rein, alles anschauen, sogar auf die Arena laufen (das ist die Sandfläche innen, auf der gekämpft wird). Es ist ein tolles Gebäude. Dicke Mauern. Rundgang. Wie eine römische Arena eben. Nur die Stiere und den Torrero dürfen wir nicht mehr anschauen, sie müssen ruhen. Jetzt heißt es warten und Stadt ansehen. Nach dem Kampf bin ich noch Stunden aufgeregt. Wir genießen die tolle Abendstimmung in der Stadt, es ist für viele Tage (bis Salamanca) der letzte Abend mit städtischem Flair.

P.s. Die Bilder sind nicht am richtigen Platz. Diese Problem bekomme ich hier nicht mehr gelöst…

Leave a Reply