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Reiseberichte

Ankunft in Salamanca, aber noch nicht der letzte Bericht

Juni 6, 2015 — by Juli Tributs0

Montag, 1. Juni – Freitag, 5. Juni: kommen noch!

Samstag, 6. Juni, 16. Tag:

Wir sind in Salamanca!!! Heute Morgen um 7 Uhr waren wir noch in Fuenterroble, in der Pilgerherberge mit Franziskanermönch, von Feldern und Rinderwiesen umgeben. Was für ein Kontrast. Ich könnte jetzt flunkern und sagen, wir sind die über 50 km gelaufen. Aber ich kann auch einfach die Wahrheit sagen: Ich war kaputt von gestern. Ich habe kaum geschlafen, meine Nerven in den Füßen haben alle fünf Minuten gezuckt, vielleicht waren es auch die zu weiche Matratze oder der leichte Schweinstallgeruch, der durchs Fenster wehte oder mein Sonnenstich von den 32 km gestern, jedenfalls war ich heute sehr schwach. Schwer zuzugeben… aber warum sich quälen, wenn Salamanca so nah ist. Also haben wir nach etwa zwei Stunden Feldweg den camino verlassen und sind in ein Dorf abgebogen um zu schauen, ob es von dort irgendwie mit dem Auto weitergeht. Das war es! Aus, finito!

Eigentlich schade, es ging jetzt alles viel zu schnell. Und es tat auch gar nicht weh nach Salamanca. Ich saß fett und faul im gepflegten Volvo eines skurrilen Männerpärchens, der eine riesig und dick, der andere extrem klein und verwachsen. Hinten auf der cremefarbenen Rückbank ein kleiner Schnauzer auf einem geblümten Kissen. Im Kofferraum Angeln und Fotoausrüstung, sie kamen von einem kleinen Shooting auf dem Land zurück. Sie hielten sofort auf einer von Menschen und Autos verlassenen Landstraße an einem Dorf mitten in der Pampa, vollgebaut mit modernen, eher häßlichen Schinkenfabriken, die wie Fremdkörper im Dorf stehen. Wir sind im Dorf des Jamon Iberico. Am Samstag ist es allerdings wie ausgestorben, an der Bar mussten wir um 11 Uhr erst mal laut klopfen, damit uns aufgemacht wird. Aber immerhin leben hier Menschen. Im ersten Dorf, auf das wir nach unserer Entscheidung abzubiegen trafen, wohnen genau noch drei Alte, zwei davon haben uns mehr schreiend als sprechend erklärt, dass es hier keine Verbindung irgendwohin gibt, no hay comunicación. Der Mann hatte sogar noch einen Zahn im Mund, seine Frau hat ihn immer korrigiert, hombre. Sie leben noch im Dorf, um da zu sterben. Wenn sie weg sind, wird niemand mehr da sein. Aber sie wirken nicht unglücklich.

Entspannt und klimatisiert rollen wir in Salamanca ein, werden an der Puente Romano rausgelassen und stiefeln in die Altstadt.

Puente Romana in Salamanca
Über die puente romana nach Salamanca

Wir fühlen uns nicht würdig, in der Albergue de Peregrinos direkt an der Catedrale einzukehren, sind ja nun keine Pilger mehr… und checken im Hotel ein. Wir gehen Essen, sind dabei umgeben von Städtern und bezahlen das Dreifache wie auf dem Land. Wir besichtigen die Stadt, mit ihren riesigen Kathedralen. So schnell geht das.

Albergue de Pereginos in Salamanca
Albergue de Pereginos in Salamanca
Catedral Nueva in Salamanca
Catedrale in Salamanca

Ich sitze jetzt, 21.56 Uhr, in der Altstadt in einer Bar und schaue das Fußballspiel Barcelona gegen Juventus. Ich schaue natürlich nicht, sondern schreibe und überlege, in welcher Reihenfolge ich nun die letzten Tage veröffentliche. Es fehlen ja im Reisebericht ganze fünf Tage bis heute. Ich hatte so wenig Zeit, musste ja laufen und erleben. Manchmal war ich zu erschöpft, manchmal zu sozial und manchmal gab es schlicht auch keinen Internetempfang.

Da den Blog im Moment ja nur Freunde und Familie lesen, habe ich entschieden, die letzten Tage zu überspringen, auch wenn das spannungstaktisch natürlich ein Fehler ist. Ich schiebe die Berichte aber nach und ihr müsst versprechen, es trotzdem zu lesen (auch wenn ihr mich dann schon getroffen habt). Sie werden gut. Sie sind im Entwurf schon da.

Wie ist es nun, das Wandern? Wir sind von Andalusien durch die Extremadura ganz durch nach Castilla y Leon gelaufen. Ich würde gerne weiter Richtung Norden laufen, nach Galizien und bis an den Atlantik. Es ist toll, zu Fuß den Wechsel der Natur zu erleben. Und plötzlich zu realisieren, dass man wirklich woanders ist. Es gibt andere Landschaften, anderen Wein, manchmal andere Spezialitäten zu Essen. Zu Fuß erlebt man alles hautnah, man wird gesund, der Kopf wird frei, dem ganzen Menschen geht es vom Kopf bis zum Fuß (naja, dem Fuß ab morgen) immer besser, die Vorfreude auf eine kalten Kaffee kann nicht größer sein als nach 20 km zu Fuß.

Ich habe die gelaufenen km noch nicht zusammengezählt. Laut Google liegen zwischen Córdoba und Salamanca 500 km, zu Fuß ist es etwas weniger. Wir sind drei mal gesprungen, aber nicht viel. Wir hatten tolle Begegnungen, sehr viele schöne Zufälle, viel Alleinsein in der Natur, süße Dörfer und tolle Städte. Ich kann das Wandern auf Jakobswegen nur empfehlen! Mein nächster Urlaub wird eine Fortsetzung des Weges, von Salamanca bis … ? Oder vielleicht auch woanders hin … Wer weiß.

p.s. Das Lokal tobt, so viele Tore von Barce. Das Spiel ist aus. Blog online!

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