main

Theater News

Juli im Sommerloch mit Kammerspiele Abschiedsweh

Juli 24, 2015 — by Juli Tributs0

14 Tage seit der letzten Veröffentlichung. Was macht Juli nur? Sie treibt sich schon rum, auch kulturell, nur hat sie darüber nicht schreiben können. Sie ist gerade etwas zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, gemeinhin auch Arbeit genannt. Und dann ist da noch die Hitze und der See…

Gmund am Tegernsee
Mein Tegernsee

Aber heute muss es wieder mal sein. Zeit für ein Resumé:

Juli war in der letzten Vorstellung von Lola Montez am Residenztheater, einem Operettenklamauk-Abend von ihrem Berliner Theaterliebling, Jürgen Kuttner, speziell für das Cuvilliétheater maßgeschneidert. Darüber wollte sie aber nicht schreiben. Es hat ihr nicht gefallen. Erwartet hat sie eine freche kluge Inszenierung. Bekommen hat sie viel Operetten Schmonzette in verstaubter Kulisse und ollen Kleidern. Genau fünf Minuten waren witzig, als Kuttner in gewohntem Schnellsprech nach Videoschnipsel-Manier in einer „Reflexionspause“ erklärt, wie er „von Hegel bis zu Lola Montez kegelt“. So hätte der Abend inszeniert sein müssen, war er aber nicht. Weil es aber eh der letzte Abend war, muss man sich über Empfehlung ja/nein keine Gedanken machen. Und besser auch nichts weiter schreiben darüber.

Dann nimmt Juli mit viel Wehmut von Inszenierungen, Schauspielern und einer ganzen Kammerspiele-Ära Abschied. Jeden Tag sagt das Programm der Münchner Kammerspiele, „Zum letzten Mal!“. Freunde von Juli sind plötzlich im Hype, sie wollen alles noch sehen und gehen fast jeden Tag ins Theater. Das ist schön zu sehen, ich fühle mich dafür (mit)verantwortlich. Aber es ist eben auch traurig, wenn alles vorbei geht.

Ich habe auch noch letzte Abende an den Münchner Kammerspielen gesehen: Dem Himmel sei Dank war ich noch in „Späte Nachbarn“ – Zwei Séancen von Alvis Hermanis nach Geschichten von Isaac B. Singer. Ein grandioser Abend. Alles toll toll toll. In der ersten Séance sieht man André Jung als 85-igjährigem jüdischem Kauz beim Leben zu in seinem Beach Apartment bei Miami. Er verliebt sich für einen Tag in seine neue, verwitwete Nachbarin, ebenfalls grandios von Barbara Nüsse gespielt, und dreht dabei noch mal richtig auf. In der zweiten Séance sind die beiden alte Nachbarn in New York, Andrè Jung darf an ihren telepathischen Séancen teilnehmen in einem wunderbar verramschten Yoga-Indienkult-Bühnenbild. Das ist ein Theater! Und ist an Schauspielkunst kaum zu übertreffen.

Sehr schön war auch „Hundeherz“ von Michail Bulgakow in der Regie von Matthias Günther. Ein lustiger kurzweiliger Theaterabend. Beide Inszenierungen zeigen, dass man Romanadaptionen doch sehr gut auf eine Theaterbühne bringen kann.

Die Zofen von Jean Genet (Regie Stefan Pucher) haben mich auch überaus gut unterhalten: Brigitte Hobmeier und Annette Paulmann als den zwei Zofen Claire und Solange bei ihrem leicht sadomasochistischem Rollenspiel und Wiebke Puls als gnädiger Frau zuzusehen, ist die reine Lust.

Am kommenden Samstag (25.7.) gibt noch eine letzte große Finaleparty an den Kammerspielen. Und dann ist Schluss mit der Intendanz von Johan Simons. Ob wohl in jedem Abschied ein guter Neubeginn liegt? Vergleicht man die alte und die neue Web-Seite der Münchner Kammerspiele (schon zu sehen für die Spielzeit 2015/16) wird die Wehmut erst mal nur größer. Schaut selbst. Grellgelb ist auch eine Farbe.

Vor dem Ende der Simons-Ära gibt es noch einmal André Jung, meinen absoluter Lieblingsstar (neben vielen anderen Lieblingen). Er ist noch ein letztes Mal zu sehen am Samstag in Hiob, aber es ist ausverkauft. Juli weint und fährt deshalb besser an den Schliersee. Dort ist das ganze Wochenende Seefest. Das ist immer sehr schön, am Samstagabend kann man romantisch mit einem lampionbestückten Bötchen über den See schippern  und das Feuerwerk genießen.

Und dann kommt: das Sommerloch. Was das wohl bringt?

Leave a Reply