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Theater News

„Sein oder Nichtsein“ am Münchner Volkstheater: Hingehen oder es Sein lassen, das ist die Frage…

Oktober 1, 2015 — by Juli Tributs0

Das Sommerloch ist schon lange zu Ende und es gibt erst jetzt wieder kulturphorische News. Dabei ist einiges passiert, über das es sich lohnen würde zu berichten. Ganz besonders schön war es zum Beispiel, die shabbyshabby apartments an dem Tag, als sie wie Pilze aus dem Münchner Boden schossen, zu suchen und zu finden… und zu fotografieren (mit übernachten darin wird es leider nix).

Für alle zum Raten – wo steht dieses goldene Prachtexemplar?

Aktion Kammerspiele München

Dann gab es schöne Momente in Münchner Galerien, aber auch fast zu lange her, um nun noch etwas konkret zu empfehlen.  Wahnsinn, wie schnell die voranschreitende Zeit die Ereignisse überholt. Aber wenn nun mal keine Zeit zum Schreiben ist, dann ist das schade, aber nicht zu ändern. Daher springen wir direkt zur Spielzeiteröffnung ins Volkstheater, Donnerstag, 27.09.2015.

Es hat Premiere: „Sein oder Nichtsein“ in einer Inszenierung von Mina Salehpour. Das Stück: Eine Tragikomödie über eine polnische Theatergruppe in der Zeit kurz nach Hitler’s Machtergreifung bis in die deutsche Besatzungszeit Polens.  Filmmusik Hollywood ertönt – eine Reminiszenz an die Filmvorlage von Ernst Lubitsch. Es öffnet sich eine Bühne auf der Bühne. Auf ihr proben – durchaus komisch – Schauspieler eine Groteske über Hitler und deutsche Nazis. Wir befinden uns in Warschau, im Theater. Dort wird angesichts der angespannten Lage 1939 die Premiere des Stücks verboten, kurz darauf greifen die Deutschen Polen an. Es ist Krieg und Warschau von den Deutschen besetzt. Die Schauspieler, vorher noch mit allerlei Liebesverwirrungen beschäftigt, sehen sich unvermittelter Dinge als Ensemble im Untergrund und es beginnt ein Kampf ums Überleben, der – so ist es im Film und im Theaterstück angelegt – bei aller Tragik stets auch Komödie ist.

Wer den Film nicht kennt (so wie ich bei der Premiere) hat möglicherweise einen unterhaltsamen Theaterabend. Es gibt hübsche Szenen, wenn der betrogene Ehemann den berühmten Hamlet Monolog „Sein oder Nichtsein“ spricht und jedes Mal ein junger Fliegeroffizier auffällig seinen Platz in der vordersten Reihe verlässt (was den eitlen Schauspieler zutiefst in seiner Ehre kränkt), um während des langen Monologs die Ehefrau des Schauspielers in ihrer Garderobe zu treffen.

Wer den Film kennt, dem gibt die Theaterinszenierung nichts. Zu viel Slapstick, zu wenig bleibt dabei von der Tragik in der Komödie. Für das spaßige Aneinanderreihung von komischen Szenen ist das Thema zu ernst. Und wenn dann ganz am Schluss plötzlich doch einer der Kameraden erschossen wird, kommt das einfach nur überraschend daher, nach all dem Klamauk. Die Stimmen nach der Premiere waren dementsprechend zwiespältig, einige fanden die Aufführung okay, andere grottenschlecht.

Mich hat die Aufführung zwar durchaus unterhalten, es bleibt aber ein unbefriedigtes Gefühl. Es fehlt der Inszenierung etwas – sie transportiert nicht den Ernst der Lage, nicht die Angst, die dem ganzen Treiben –  bei aller Komik – ja stets latent innewohnt.

Ich habe noch in derselben Nacht Filmausschnitte der Vorlage von Ernst Lubitsch geschaut. Schon in wenigen Minuten wird klar, dass der Film grandios ist und die Aufführung dagegen nicht ankommt. Daher ist meine Empfehlung: Den Gang ins Volkstheater kann man sich schenken und besser den auf DVD erhältlichen Film von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942 anschauen.

Hier noch eine kleine Kostprobe:

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