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Theater News

Schnell noch in „Unser Dorf soll schöner werden“ zu „Wunderbaum“ in die Münchner Kammerspiele

März 11, 2015 — by Juli Tributs1

Unser Dorf soll schöner werden“ läuft nur noch bis 14. März 2015 im Werkraum der Münchner Kammerspiele!!! Dann entschwinden die Wunderbäume wieder nach Hause. Zu Hause ist in Holland. Von da holte sie Johan Simons am Ende seiner Intendanz und… ließ sie mal machen. Herausgekommen sind selbst geschriebene und selbst gespielte „Acts“ (Wunderbaum=Walter Bart, Maartje Remmers, Marleen Scholten werden dabei verstärkt durch die Schauspieler Stefan Hunstein und Steven Scharf aus dem Ensemble der Kammerspiele).

In diesen Acts werden von Wunderbaum reale Diskussionsbeiträge diverser in unserer Gesellschaft auftretender Typen zu aktuellen gesellschaftlich relevanten Themen, insbesondere zu Umwelt und Nachhaltigkeit, verwertet. Es treten auf: eine transformierte Managerin, ein BMW-Designer, der auch Kunst mag, (Umwelt)aktivisten, eine Klimaexpertin („pessimistisch seit ihrer Geburt“). Man wartet auf Naomi Klein, die dem BMW Designer wie eine Wassermelone scheint, innen rot und außen grün. Es geht um Kapitalismuskritik genauso wie um Ökoaktivismuskritik, um neoliberale Ideen im Zeitalter von Klimawandel, um Geschlechterrollen und Rollenklischees, um Selbstverliebtheit und Egozentrik von Managern, um den BMW i3 und den Trommelsound von Phil Collins. Es gibt keine Guten und keine Bösen, alle werden ironisch demontiert. Naomi Klein, real existierende Umweltaktivistin, hier dargestellt von Walter, endet nach wenigen Sekunden Diskussion im verbalen und physischen Nahkampf gegen den BMW-Designer Walter am Boden.  Soviel zum Thema Toleranz und Diskussionskultur.

Ich mochte den Abend sehr, fand die erste Stunde großartig, war in der zweiten Stunde etwas verloren und habe nicht mehr jeden Zusammenhang zwischen den „Acts“ verstanden. Aber machte nix, war trotzdem irgendwie unterhaltsam. Dies vor allem durch die wunderbaren Schauspieler, die alle wahnsinnig gut spielen. Am Ende verkauft Walter  im Foyer das aktuell erschienene Buch von Naomi Klein („Die Entscheidung. Kapitalismus versus Klima“)  in drei Sprachen, die deutsche Ausgabe ist die teuerste. Fast die schönste Idee des Abends als krönender Abschluss.

Daher schnell noch in die Kammerspiele gehen und den Wunderbäumen zuschauen bei ihrem irren Spiel.

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