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Theater News

Radikal Jung, radikal busy – Fortsetzung Teil 1

April 21, 2015 — by Juli Tributs0

Großartiger Einstieg in den dritten Tag des Theaterfestivals Radikal Jung am Münchner Volkstheater. Und radikal busy ist es auch, wie erwartet. Und sommerlich warm. Herrlich.

Den gelungenen Start am Wochenende habe ich verpasst. Dafür gibt es Montag gleich die Doppelvorstellung. Und weil es am Donnerstag, den 23. April noch zweimal gespielt wird (18 und 21 Uhr) vorab gleich mein Favorit und meine Empfehlung für alle:   

Invasion!

Von Jonas Hassen Khemiri, Regie Pixar Karabulut. Eine Inszenierung des Schauspiels Köln,

Es ist lustig, es ist unmittelbar, es ist kreativ, es hat Sprachwitz. Dazu frisch und spritzig gespielt. Was wird aus uns, wenn wir jemand anders sind? Wie lebt es sich, wenn man plötzlich eine Identität als Abulkasem annimmt? Abulkasem könnte auch Jul Chen sein. Das spielt ja keine Rolle. Aber das unsere Sprache unsere Identität ausmacht, eine andere Identität die Wahrnehmung der anderen und damit reale Veränderungen bewirken kann, damit beschäftigt sich das Stück von Khemiri.

Ebenfalls sehenswert, aber erst nach dem Festival wieder am Düsseldorfer Schauspielhaus:

La Chemise Lacoste.

Von Anne Pepper, Regie Alia Luque (beeindruckende Regisseurin aus Barcelona)

Tennis als Sinnbild einer Gruppe uniformierter Gleichgesinnter, die auch oder gerade wegen der Ausgrenzung anderer ihre eigene Homogenität bewahrt und deswegen funktioniert. Was passiert aber nun, wenn das Fremde dazugehören will, wenn es die Regeln lernen will und nach und nach auch versteht. Darf das sein? Wer bestimmt die Regeln und lassen sie sich bewahren, wenn das Fremde eindringt? Soll nicht unten bleiben wer unten ist? Die Regisseurin findet viele sehr phantasievolle und plastische Bilder, mit denen sie uns konfrontiert mit ihren Gedanken zu Konformität, Uniformität, dem Anderen, dem Fremden und jeder kann sich selber fragen, wo er steht oder stehen will.

Überlebt habe ich es übrigens auch, aber in der entscheidenden Sekunde mit vor Schreck geschlossenen Augen: Der Tennisplatz, der vorher als grüne Wand auf der Bühne steht, knallt in seiner ganzen Größe bis an den vorderen Rand der Bühne. Oh Schreck! Und Schluss!

Dann der vierte Tag des Festivals, für mich der enttäuschend zweite Abend. Orpheus#. Von Ersan Mondtag. Regie Ersan Mondtag, Inszenierung des Schauspiels Frankfurt.

Das soll ja kein Blog für Verrisse werden. Jeder hat seine eigene Sicht auf die Dinge. Orpheus# – ist ein „Schauspiel – Tanzprojekt“, das sich mit dem Tod auseinandersetzt, mit Rache und Erinnerung. Ich habe leider weder Tanz gesehen noch habe ich die Schauspiel-Bilder verstanden, die der Regisseur findet. Nur tragende Musik reicht mir im Theater nicht. Gemeint hat es der Regisseur politisch. Aber so richtig klar wurde mir das während des Zuschauens nicht. Da es aber durchaus Zuschauer gab, die ergriffen und beeindruckt waren und die ja sehr treffsichere Jury, hier in Person von Kilian Engel, ganz viel darin gesehen haben, wird es wohl auch so sein…

Morgen gibt es Prinz Friedrich von Homburg mit „dem“ Samuel Koch aus „Wetten Dass“ und – darauf freue ich mich sehr – am Donnerstag Kings aus dem Ballhaus Naunynstraße Berlin. Mehr gibt es für mich dieses Jahr nicht, weil ich ebenda hin fahre. Aber für alle anderen: Ich würde mir, wenn ich könnte, Dschingis Khan anschauen (kommt am Freitag, 19.30 Uhr.) Und natürlich Sybille Bergs’s Stück Und jetzt: Die Welt! Das kann man aber auch noch so am Volkstheater sehen.

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