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Reiseberichte

Juli in Caceres

Juni 4, 2015 — by Juli Tributs0

Juli in der Plaza de Torros in Caceres
El Juli en la plaza de Torros en Caceres

Samstag, 30. Mai, 9. Tag:

Wir wachen im Kloster auf, es ist

Retama, süß duftend und belebt
Retama auf der via de la plata

kurz vor 7 Uhr und es herrscht geschäftige Aufbruchstimmung im Saal. Na gut, stehen wir eben auch auf. Heute lassen wir es entspannt angehen. Wir haben es nicht so weit, es sind nur etwa 17 km bis zur nächsten Schlafstation, Aldea del Cano. Noch einen Ort weiter laufen wollen wir nicht, es wären noch mal 10 km mehr und das für eine Nacht im Rathaus auf dem Boden. Das muss nicht unbedingt sein. Nach dem Gewaltmarsch am Vortag ist die kurze Etappe perfekt. Wir werden vom Alberguero des Klosters herzlich verabschiedet: Wenn ihr wiederkommt, erwarten wir euch.

Gleich gegenüber vom Kloster ist die Bar mit Kaffee und Frühstück. Wir lassen es krachen und probieren gleich noch den lokalen jungen Wein. Nicht, weil es im Kloster am Abend keinen gab und wir unter Entzug leiden, sondern aus purer Neugier, weil er überall rumsteht. Die Hombres, die – wie soll es anders sein – auch schon auf ihren ersten Kaffee da sind, finden das gut und deuten mit Mimik und Gestik an, dass er irre schnell besoffen macht. In den Dörfern und Städtchen, durch die wir kommen, scheint es üblich, einen kleinen Schnaps zum Kaffee zu heben, manchmal sieht man ihn auch ohne Kaffee. Also Salut.

Es ist kurz vor 8 h und wir laufen los. Wir wandern an tausenden gelben Retama Büschen vorbei. Aus ihnen duftet es süß, es summt und lebt im Busch. In Deutschland gibt es Retama nicht. Ich mag sie sehr, sie begleiten uns vom ersten Tag an. Ab jetzt werde ich sie immer mit dem camino de la plata verbinden.

Wir sind auf der calzada romana, am Wegesrand stehen die ersten Meilensteine aus römischer Zeit, die miliarios. Auch sie begleiten uns von nun und weisen uns den römischen Weg, wir wandeln über vereinzelte Reste der Straße und kleine Brücken. Es ist unglaublich, wie lange die von den Römern gebauten Straßen erhalten sind.

Wir passieren ein kleines Dorf. Dieses Dorf hat etwas sehr besonderes für uns, wahrscheinlich muss man schon länger zu Fuß unterwegs sein, um sich darüber zu amüsieren. Schon von weitem sehen wir das Schild auf dem Dach: Night Club Pecado (auf Deutsch Sünde). Im Schriftzug steckt die Sünde im O, dieses hat kleine Teufelshörnchen und in ihm räkelt sich eine nackte Frau, das O selber ist ein Cocktailglas. Das kleine Haus daneben ist rosa angemalt. Huuuuuuuuh Sünde.

So weit so gut. Das ist ja nichts besonderes. Aber unmittelbar daneben steht das Altersheim, la casa de mayores. Wirklich keinen Meter entfernt. Beide Häuser stehen direkt an der Landstraße, außerhalb des Dorfes. Das finden wir lustig. Vor dem Altersheim parken viele Autos… Wen sie wohl besuchen? Oder hat die Oma besonders liebevolle Söhne… ?

Als wir um 12 Uhr in Aldea del Caño ankommen, ist es schon wieder schön heiß. In der Casa rural an der Mini-Plaza mit Kirche und mehreren Störchen auf dem Dach gibt es genau noch ein freies Zimmer. Das ist unseres.

Es ist toll, wie man in Spanien früher gebaut hat. Draußen hat es 37 Grad und innen im alten Landhaus ist es, ganz ohne Klimaanlage, schön kühl. Wunderbar, um am Nachmittag auszuruhen. Unsere Reise wird auch eine Entdeckungsreise der vielen Casas rurales, die in den kleinen Dörfern in den letzten Jahren mit staatlicher Hilfe entstanden sind. In unserem heutigen Fall wurde das Haus des Opas in ein Casa rural umgerüstet, Opas altes Zimmer war sogar unseres.

Die casas rurales sind immer alte und meist auf dem Land. Für die Renovierung und Verwandlung gibt es neben dem Kredit der Bank auch einen staatlichen Zuschuss. Die gesamten Finanzdaten sind, mit Gesamtinvestitionssumme, Eigenkapital und Kreditzinsen, auf einem Schild der Junta Extremadura an der Außenwand des Hauses angebracht und für alle einsehbar. Transparenz ist alles. Jedenfalls kann man in ihnen sehr schön wohnen, für etwa  15-25 Euro pro Person. Das Haus hat dicke alte Mauern und Holzdecken und ist spanisch rustikal eingerichtet. Mir gefällt das so gut, dass ich sie den Albergues vorziehe und dafür auch mal auf den ein oder anderen schnarchenden Italiener verzichte.

Es passiert nicht sehr viel mehr an diesem Tag. Wir gehen Mittags noch Essen in das einzige Restaurant und verbringen dort auch den Abend mit Blog und Fußball im Fernsehen… und natürlich vielen Hombres im Durchschnitt gefühlt eher über 70. Das Lokal ist das Wohnzimmer des Dorfes, wie immer.

Sonntag, 31. Mai, 10. Tag:

Wir laufen früh um 6.41 Uhr los. Wir haben geplant! Wir wollen nur 11 km nach Valdesalor laufen und uns die restlichen 12 km nach Caceras schenken. Es ist ja schöner, den Tag mit Kraft in der Altstadt, die zum Weltkulturerbe gehört, zu verbringen, als durch Felder und den unattraktiven Stadtrand zu laufen. Unser Plan sieht also vor, dass wir kurz nach 9 Uhr in Valdesalor eintreffen, dort einen Kaffee trinken und in den Bus steigen, der laut Fahrplan im Internet stündlich fährt.

Wir treffen wie geplant kurz nach 9 Uhr ein. Das Dorf ist eine von Franco errichtete, relativ neue Ansiedlung. Nicht besonders attraktiv und sehr verschlafen. Keine offene Bar weit und breit. Der Bus am Sonntag wurde aus Spargründen eingestellt. Mist. Unser schöner Plan. Wir wollen ihn aber noch nicht aufgeben…. Und wieder gibt es einen der schönen unverhofften Pilgermomente. Wir stehen unentschlossen rum, da kommt ein Kleinbus und hält und fragt uns, wo der camino ist. Im Auto sitzt ein Mann, der zu einer Wandergruppe aus Katalunien gehört, aber wegen seines defekten Beins nicht mitlaufen kann. Er spielt den Chauffeur und sammelt die Gruppe ein, wenn sie nicht mehr laufen mag. Wir haben Glück, die Gruppe will laufen und wir fahren mit ihm in die Stadt. Also, Plan hat nicht ganz so geklappt, wie wir wollten, sondern besser. Was für ein Zufall, wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So ist das Pilgern. Es passiert immer etwas.

Als wir aussteigen in Caceres, sind wir schon mitten unter einer schattigen Allee, die sich als Sonntagsmarkt für alle guten Spezialitäten der Extremadura entpuppt. Neben Schinken und Salami sind das auch Käse, Kirschen und Wein. Ankommen der besten Art. Wir haben noch nicht gefrühstückt und probieren gleich los. Wir sind übrigens nicht nur auf der via de la plata und dem Camino de Santiago und den cañadas reales unterwegs, sondern auch auf der ruta de jamon iberico.

Caceres ist sehr entspannt. Es wurde 54 v. Chr von den Römern gegründet, die Altstadt ist wunderschön und gehört zum Weltkulturerbe.

Überall hängen große Plakate, die los toros mit Juli ankündigen! Wer ist Juli? Juli bin doch ich? Kein Witz, mein Namensvetter ist einer der besten Toreros Spaniens. Und er wird heute in der plaza de torros in Caceres sechs Stiere ganz allein bekämpfen. Es ist DAS Ereignis schlechthin. Die gesamten Einnahmen spendet El Juli für krebskranke Kinder. Und der Kampf wird, das wissen wir vorher natürlich nicht, zu einem der ganz seltenen, herausragenden Kämpfe, zu einem Jahrhundertereignis. Legendär. Und Juli Tributs ist dabei. Über die Corrida mit El Juli und Juli Tributs gibt es einen extra Blog, die Aufregung muss gesondert verarbeitet werden. Was jedoch unbedingt an dieser Stelle noch erwähnt werden muss, ist wieder der Zufall, der unser Pilgern begleitet. Wir sind am Sonntag, den 31. Mai in Caceres. Hatten ni puta idea vom Stierkampf und El Juli. Ich wollte eine Corrida besuchen, wir hatten schon in Córdoba und in Mérida gefragt… Jetzt in Caceres klappt es. Aber es ist nicht nur das, es ist auch noch der beste Torero da und er wird allein kämpfen, was es sonst nie gibt. Die Stadt bebt schon Stunden vorher vor Aufregung. Um 18 h geht es los. Die Arena (Plaza de Torros) ist gleich um die Ecke unseres Hostals (Zufall!).
Wir kaufen das Ticket schon um eins, besser ist besser, es steht auch eine kleine Schlange am Schalter. Man kann in die Arena rein, alles anschauen, sogar auf die Arena laufen (das ist die Sandfläche innen, auf der gekämpft wird). Es ist ein tolles Gebäude. Dicke Mauern. Rundgang. Wie eine römische Arena eben. Nur die Stiere und den Torrero dürfen wir nicht mehr anschauen, sie müssen ruhen. Jetzt heißt es warten und Stadt ansehen. Nach dem Kampf bin ich noch Stunden aufgeregt. Wir genießen die tolle Abendstimmung in der Stadt, es ist für viele Tage (bis Salamanca) der letzte Abend mit städtischem Flair.

P.s. Die Bilder sind nicht am richtigen Platz. Diese Problem bekomme ich hier nicht mehr gelöst…

Reiseberichte

Laufen wie die alten Römer: via de la plata

Juni 1, 2015 — by Juli Tributs0

Freitag, 29. Mai, 8. Tag:

Macht sich eigentlich jeder Mensch über den nächsten Tag Sorgen? Oder nur ich? Dabei ist es so sinnlos! Das könnte man doch endlich mal in der Lebensschule gelernt haben. Also ein für allemal: Schluss mit besorgtem Planen und Überlegen. Spontanität ist alles. Es kommt sowieso anders als man denkt. Auch kann man beim Wandern jeder Situation etwas Positives abgewinnen. Ist ein Weg zu lang, ist das Ankommen noch tausendmal schöner. Hinzu kommt der Stolz, dass man es geschafft hat. Und je weniger geplant ist, desto mehr Freiraum gibt es für uns, auf die Umgebung, die Leute und unsere Stimmung zu reagieren. Der Pilgerweg nimmt einem viele Entscheidungen ab, weil er die Route vorgibt und Angebote für Pausen macht. In diesem geschützten überplanten Raum können wir alles andere spontan entscheiden. Es kann nichts passieren. Wenn man das einmal verstanden hat, setzt die Entspannung ein. Bleiben wir an einem Ort länger, weil er uns gefällt oder wir eine Pause brauchen, interessiert das niemanden… kürzen wir den Weg ab, auch nicht. Wie lange wir insgesamt laufen ist ebenso egal wie die Tageszeit zu der wir starten oder ankommen. Zugegeben, es geht dann nicht mehr zurück, wenn man einmal auf dem Weg ist…

Und wie sieht das dann konkret aus, an dem Tag, als mir beim Laufen diese Gedanken durch den Kopf geistern? Nach der Gluthitze am Vortag laufen wir gerade noch im Dunkeln kurz nach 6 Uhr los, durch das schlafende Merida stadtauswärts. Der Weg führt am römischen Aquädukt vorbei, über dem sich schon der Himmel rötlich färbt. Auf dem Aquädukt wohnen etwa 50 Störche, es sind also nicht nur die Kirchen, die zum Nestbauen einladen. Sie klappern für uns den Weg im Konzert, buenos dias, buen camino. Ultrea!

So geht der Tag gut los. Es ist halb sieben und ein kleines Pilgerschild sagt uns, dass es eine Bar gibt, die extra für Pilger schon halb 7 öffnet. Es ist nicht mal ein Umweg. Und wir sind zur perfekten Zeit da. Erster Kaffee und das berühmte pan con tomate, unser Pilgerfrühstück. Wären wir eher los, hätten wir den Kaffe nicht bekommen, so aber ist es perfekt und ganz ungeplant.

Unter der aufgehenden Sonne sehen wir nun nicht nur unseren Weg, sondern auch die Wolken am Himmel. Herrlich, es ist bewölkt. So ist das beim Pilgern, alles passiert, einfach so. Nichts davon wussten wir vorher, um es in unsere Überlegungen einzubeziehen und doch haben wir alles richtig entschieden. Und wenn wir zu einer anderen Zeit losgelaufen wären, ich bin sicher, es wäre auch gut gewesen und es wären auch schöne Sachen passiert.

Unser Camino Mozárabe mündet ab Merida in die aus Sevilla kommende via de la plata. Hier überlappt der Camino de Santiago teilweise mit der alten Römerstraße, der calzada romana. So wie ich es verstanden habe, hatten die Römer in den 50iger Jahren vor Chr. den Süden Spaniens schon besetzt und wollten sich weiter nach Norden ausbreiten. Sie bauten dafür eine Straße bis nach Astorgas und an der Straße Orte, um zu rasten. Daraus sind die Städte entstanden, die heute teilweise zum UNESCO Kulturerbe gehören und in denen wir Pilger rasten, Mérida, Cáceres, Salamanca. Aus der Römerzeit gibt es Stauseen, Aquädukte, Brücken, Tore, Straßen. Alles überqueren wir oder passieren es auf unserem Weg.

Das ist noch nicht genug Bedeutung. Der Jakobsweg verläuft auch in großen Teilen auf den cañadas reales, den alten Schäferwegen, auf denen die Schäfer ihre Herde in den fruchtbaren Norden bewegt haben. Also der Weg hat eine lange Geschichte, gepilgert wird auf ihm wohl schon seit dem 12. Jahrhundert.

Ab jetzt sind wir nicht mehr allein unterwegs, den ersten Pilger aus Italia überholen wir am römischen Stausee, eine Stunde nördlich von Mérida.

Ganz anders als am Vorabend gedacht, sind wir beschwingten Schrittes unterwegs. Wir sind schon nach längerer Frühstückspause kurz nach 11 Uhr in einem Nest namens Aljucén. Hier hören viele für heute schon auf und schlappen nach der Dusche im Albuergue entspannt ins einzige Café am Platz. Andere Pilger stürzen daran vorbei, kaum den Blick hebend – bloß keine Pause machen, das kostet Zeit oder das beste Bett im Ankunftsort oder gehört schlicht nicht zum Programm eines getriebenen Wanderers. Ich komme ja an keiner der eh rar gesäten Bars vorbei, ohne einen Kaffee mit Eiswürfeln zu trinken und dabei die Bar zu checken, es ist zu interessant…

Andere Pilger studieren macht Spaß, wir hatten so lange keine. Die Spanier plaudern gerne, winken und rufen sich immer aus der Ferne ein buen camino zu. Italiener sind auch kommunikativ, laufen eher kurze Etappen und machen immer ein Päuschen in der Bar. Und dann gibt es noch den Typ Pilger, der auf ein freundliches buenos dias eines Spaniers mit HALLO antwortet (ist wahr). Naja, es waren bislang die einzigen Deutschen auf dem Weg, daher besser nicht verallgemeinern.

Wir hängen also ab, essen und trinken für 7,50 Euro das Mittagsmenü und haben keine Lust, nach den vier Stunden am Vormittag schon aufzuhören. Die frische kühle Luft beflügelt uns und macht uns mutig. Der Moment der spontanen Entscheidung ist da: weitergehen oder bleiben?

Wäre ich am Abend davor gefragt worden: Willst du morgen Vormittag 17 km laufen und am Nachmittag bei glühender Sonne noch 21 km weiterlaufen durch eine Landschaft, die die ersten zwei Stunden wunderschön ist und sich dann zwei Stunden schlängelt und keinen Schatten spendet. Nein. Hätte man mich gefragt, willst du bei bewölktem Wetter in einem Minidorf mit fünf älteren dicklichen Italienern im Albergue bleiben und den Nachmittag abhängen? Nein. Aber nach zwei Stunden Mittagspause und immer noch kühler Luft sind wir ganz klar und eindeutig für weitergehen. Schlappe 21 km scheinen uns bei bewölktem Himmel wie ein Nachmittagsspaziergang.

Es geht auch ganz wunderbar los, Mohnblumen, Kornblumen und blühender Oleander am Wegesrand. Eine Augenweide. Dann werden die Wolken weniger, es wird heiß. Toros stehen auf unserem Weg, keine deutschen doofen glupschäugigen Kühe, sondern spanische Stiere, die schwarzen, 600 kg schwer und gerne auch in der Arena im Einsatz. Im Moment fressen sie aber friedlich Gras. Und wenn schon, sollten sie angreifen, springen wir eben über den Zaun oder klettern auf einen Baum.

Brauchen wir dann zum Glück nicht… Es wäre auch unvorstellbar angesichts der Hitze eine Bewegung mehr zu machen als die des stetigen Voranschreitens. Die Wolken sind vollends weg, wir sind nahezu ohne Schatten in einem endlosen Tal unterwegs. Nächster Ort nicht in Sicht und die Sicht reicht weit. Google lügt ja auch nicht, es sind noch 2-3 h. Mein Trinkwasser ist warm, irgendwann ist es alle. Ich schalte in den Durchhaltemodus. Darüber wollte ich ja nur einmal schreiben, daher überspringen wir jetzt zweieinhalb Stunden und kommen an.

Auf uns wartet eine Nacht im Kloster in Alcuéscar, es ist zum Glück gleich am Ortseingang und heißt uns schon von weitem Willkommen. Ich mag Nächte in Klöstern. Die Klöster umfangen einen mit einer besonderen Atmosphäre. Es hat etwas von Zuflucht und Schutz, es ist würdevoll und großzügig. Kost und Logis sind frei, aber wenn einen die Kirche um eine Spende bittet, möchte ich den Pilger sehen, der nichts ins Döschen gibt.

Wir sind im riesigen Schlafsaal untergebracht, die Einzel- und Doppelzimmer sind schon voll. So ist das, wenn man 18.30 h als Letzter eintrifft. Aber es bleiben im Schlafsaal ungefähr vierzig Betten leer. Das hat auch etwas. Leere und Weite im Saal, statt eingezwängt in der Einzelzelle. Wir sind mit zwei Spaniern und zwei Franzosen im Saal, der eine bewegt sich seit meiner Ankunft gar nicht mehr. Ein anderer behandelt seine Blasen, begleitet von französischen Flüchen… putain de merde. Vor der Tür stehen dicke Bergstiefel, wir sind aber im flachen Land. Diesen Fehler habe ich nur einmal gemacht, flache Strecken bei 30 Grad überlebt man nur, wenn man wie die Römer läuft, die hatten auch keine Bergstiefel. Mut zur Sandale. Mein Schmerz kommt nicht vom falschen Schuh, sondern vom zu wenig laufen. Wer nur Rad fährt hat die ersten Tage ein Problem, es ist wahrscheinlich Muskelkater unter dem Ballen und der Ferse.

Abendessen gibt es im Speisesaal an einer langen Tafel gemeinsam mit den anderen Pilgern. Ich kann kaum sitzen (muss ein kleiner Sonnenstich sein) und schon gar nicht mich in vier Sprachen unterhalten. Die strengen Klosterregeln kommen mir entgegen, auch wenn es absurd ist. Wir müssen um zehn Uhr das Licht löschen, Bettruhe, draußen ist es noch hell. Fies. Das Liegen ist heute aber eh das Beste für die Beine. Also ab ins Bett, andere schlafen auch. Und siehe da, es geht… bis sich die ersten Pilger wieder regen. Das ist Gott sei Dank erst kurz vor 7 h.

Fazit des Tages: Spontane Entscheidungen sind gut. Es ist schön, als Letzte im Kloster anzukommen und mit den Hühnern ins Bett zu gehen. Die Etappen könnten sich mehr am Juli-Ideal orientieren und bei 27-29 km enden, 39 km unter glühender Sonne sind zu viel. Naja, es ist wie es ist und bringt uns nicht um. Dafür ist der nächste Wandertag kurz.

Reiseberichte

Nachtwanderung und Saharaluft, Extremadura!

Mai 28, 2015 — by Juli Tributs0

Mittwoch, 27. Mai, 6. Tag:

Es ist noch Nacht als wir unser Ränzlein schnüren. Wir schließen die Tür zur Albergue um 4.41 Uhr und stapfen los, Richtung Monterrubio, 33 km. Es geht durch die schlafende Stadt. Nachts ist es schön kühl. Wir folgen unserem gelben Pfeil, der den Pilgern den Weg durch ganz Spanien weist. Der Pfeil ist mit Liebe gemalt, an den skurrilsten Stellen… die man eben so findet in der Natur, wenn man den Weg weisen möchte.

Über uns sind tausend Sterne, die dicke milchige Milchstraße und sonst nichts. Die erste Stunde vergeht wie im Flug, ich sehe meine erste Sternschnuppe, sie verglüht erst kurz vor dem Auftreffen auf den Boden und zerfällt dabei in tausend kleine Sternchen, ein Traum.

Nachts bekommt das Pilgern etwas Verschwörerisches. Wir sind mutterseelenallein. Das sind wir tagsüber oft auch. Aber wenn man in die Ferne sieht, fühlt man sich sicher. Im Dunkeln sieht man nicht, wo man ist und nicht, wo man hingeht, es ist Abenteuer. Man verliert das Gefühl für Weg und Zeit. Langsam wird es hell, Felder soweit das Auge reicht. Hunde bellen uns an, die Sonne geht als roter runder Ball am Horizont auf. Auf einem Pflug breiten wir unser Frühstück aus, es ist genau 7 Uhr. Es gibt nichts Schöneres, als nach zwei Stunden Nachtwanderung die erste Pause zu machen, die Wärme der aufgehenden Sonne auf der Haut zu fühlen, in ein selbst belegtes Bocadillo zu beißen und in das weite Land zu schauen.

Frühstück bei Sonnenaufgang am Pflug
Frühstück bei Sonnenaufgang am Pflug

Danach sind wir leider voller Zecken. Die sind ein guter Grund, immer wieder anzuhalten für eine pequeña pausa. Fiese kleine Zecken! Sie schleichen sich, geschützt durch die Hose, am Körper hoch und beißen sich fest. Ja, aber nicht mit uns. Wir haben alle entdeckt. Die letzten allerdings erst im Hotel, 6 Stunden später…

Wir laufen und laufen, es gibt nur Kornfelder und Eichen. Wir nähern uns der Extremadura. Ab halb zehn breitet sich die Hitze aus. Selbst die Schafe rotten sich in großen Mengen unter einem Baum zusammen. Der spendet zwar kaum Schatten für die erste Reihe Schafe, geschweige denn für den ganzen Rest … aber es scheint immer noch besser zu sein als das freie Feld. Oder es ist einfach nur Herdentrieb. Nur die Ameisen scheinen unbeeinträchtigt und tragen fleißig Körner von einer Feldseite zur anderen. Das macht bestimmt Sinn, welchen genau, müssen wir Menschen ja nicht verstehen.

Fleißige Ameisen tragen Korn von einem Feld zum anderen Feld
Fleißige Ameisen tragen Korn von einem Feld zum anderen Feld

Wir sind jetzt schon weit über vier Stunden unterwegs. Wahnsinn. Aber was für eine gute Idee, so früh loszulaufen.

Es ist auch dies ein Erlebnis dieser Tage: die Wärmestufen, die man an einem Tag durchlebt und wie sie sich auf Wohlbefinden und Energie auswirken. Wie frisch fühlt man sich am Morgen und wie erschöpft  und gequält ist man in der Mittagshitze. Man denkt ja als tapferer Wanderer, man schafft alles. Aber das ist nicht wahr. Wandern ist definitiv unter 30 Grad einfacher. Für den Notfall (und für das Frühstück unterwegs) haben wir ein leichtes (i.S.v. von Gewicht) Spezialgetränk entwickelt, das uns wieder lebendig werden lässt: zwei kleine Packungen Nescafé und eine kleine Packung Kakao kräftig in Wasser geschüttelt, das schmeckt sogar gut und hilft sofort.

Wir schaffen es anzukommen, sogar zu einer halbwegs zu ertragenden Zeit, gegen 13 Uhr. Gerade noch rechtzeitig, bevor das gesamte Dorf in den Mittagsschlaf sinkt. Ab 15 Uhr ist hier bis mindestens 18 Uhr wirklich kein einziger Mensch auf den Straßen, die Luft flirrt vor Hitze. Sogar unser Hotel hätte geschlossen gehabt, wir hätten nicht mal einen kalten Kaffee bekommen.

Es ist das Beste, es den Einheimischen gleich zu tun. Nach 18 Uhr regt sich wieder etwas Leben, das Restaurant in unserem Hotel öffnet und wir werden vom Inhaber verwöhnt. Er hat uns (gerade noch vor der Siesta) mit Freude begrüßt und natürlich mit Pilgerrabatt aufgenommen, mixt uns Sangria nach Madrider Rezeptur, wie er stolz erzählt. Das Olivenöl kommt aus dem Ort und gut gekocht wird auch. Auf dem Kirchturm, vor unserem Hotel, sitzen wie immer Störche. Wir fühlen uns pudelwohl.

Kirchturm von Monterubio, natürlich bewohnt
Kirchturm von Monterrubio, natürlich bewohnt

Und je weniger ein Ankunftsort an Ablenkungen bietet, desto entspannter kann man am Abend auf der Terraza sitzen und schreiben. Es ist Urlaub!

Donnerstag, 28. Mai, 7. Tag:

Wir haben entschieden, aus 37 km 17 km zu machen und uns dazu noch eine ganze weitere Etappe zu schenken, wir laufen heute nur nach Castuera und steigen dort in den Zug nach Mérida (1 h fahren statt zwei Tage laufen). Es ist wahrscheinlich gegen jedes Pilgergesetz. Aber der heilige Jakob hat uns schon vergeben. Als ich heute am Bahnhof in Castuera gesehen habe, welche Wüste wir bei 35 Grad hätten durchschreiten sollen, kann ich uns nur zu unserer weisen Entscheidung am Abend gratulieren.

Wir sind um 6 Uhr los gelaufen. Haben im Dunkeln glatt den gelben Abbiegepfeil übersehen und sind daher auf der Nationalstraße gelandet. Kam uns nach einer Weile komisch vor, es fehlte unser gelber Pfeil und Straße laufen ist doof. Also sind wir durch Felder über Zäune quer durchs Land, bis wir wieder auf unserem Weg waren. Was für eine Wiedersehensfreude mit dem gelben Pfeil.

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In Castuera angekommen, weht schon so eine Art heißer Fönwind durch die Straßen. Es ist gerade mal 11 Uhr. Am allerletzten Ende des Ortes steht dann tatsächlich auch die Bahnhofsstation. Es ist wie im Western, kein Mensch weit und breit, Spiel mir das Lied vom Tod fällt mir ein. Hinter den Gleisen beginnt eine Art Wüste. Der Bahnhof sieht aus, als ob er geschlossen ist. Aber es ist nur die spanische Art sich vor Hitze zu schützen. Wir finden dann doch im Inneren der Station den Jefe de Estacion, der uns ein Ticket verkauft, später sein Stationswärterhut aufsetzt und mit einer Fahne dem einfahrenden Zug bedeutet anzuhalten und wieder abzufahren. Er nimmt seinen Beruf ernst. Es fährt drei Mal am Tag ein Zug Richtung Mérida, er kommt auch wieder zurück.

Bahnhof Castuera
Endstation Sehnsucht, Bahnhof Castuera

Eine Stunde später kommen wir in Mérida an, steigen aus dem klimatisierte Zug aus und es pustet uns Saharaluft entgegen. Ab jetzt wird das Wandern schwer. Es dauert bis 21 Uhr, bis man es außerhalb klimatisierte Räume aushält. Das macht es etwas schwierig, die schöne Stadt mit allen ihren römischen und maurischen Sehenswürdigkeiten zu genießen. Die Steinbänke, auf die wir uns absetzen wollen, glühen sogar noch gegen 19 Uhr. Vielleicht sollten wir einfach so tun, als seien wir – wie gestern – in Monterrubio und nichts tun, vor allem nicht rumlaufen.

Jetzt im Moment ist es 22 Uhr und nur noch sehr warm, ich trinke tinto fresco und wir diskutieren die große Frage: sollen wir morgen weiterlaufen? Ich denke ja, wir tun es.

Reiseberichte

Wanderlust und Wanderlast: Zu Fuß durch die Provinz Córdoba

Mai 27, 2015 — by Juli Tributs0

Montag, 25. Mai, 4.Tag:

Heu auf meinem Weg
Nach der Kornernte Provinz Córdoba

Es geht weiter zu Fuß durch die Provinz Córdoba ins 38 km entfernte Alcaracejo. Wir nutzen die frische Kühle der Morgenstunden, nehmen schnell um 7 Uhr den ersten café con leche in der Dorfbar (schon zusammen mit den ersten zwei – männlichen – Gästen; sind sie auf einen Kaffee da, weil sie keine Frau haben oder weil sie eine haben? Oder einfach weil es die Väter und Großväter schon immer so gemacht haben?). Schnell noch frisches Brot kaufen für das Frühstück unterwegs und los.

Die Morgenstunden sind die schönsten des Tages. Es riecht, schmeckt und klingt, das Licht ist wunderbar. Es fühlt sich so gut an, dass ich am liebsten hüpfen würde. Geht natürlich nicht, 10 Kilo Rucksack machen jeden schnellen Move unmöglich.

Aus den Wiesen steigt der Duft von Morgentau, Kräutern und Blüten. Die Vögel singen was das Zeug hält. Hunde bellen, die berühmten pata negras leben hier frei unter Eichen und grunzen, Schafe auf dem Weg wetzen die Hufe und laufen vor uns davon. Es ist das Paradies.

Die ersten vier Stunden hält dieses Glücksgefühl an. Wir treffen ab und an auch mal einen Menschen, meist ist es ein Bauer, der sein Land bestellt. Sie erzählen uns sofort ihr halbes Leben. Die hard facts einer Begegnung, es ist kurz nach 12Uhr, er kommt zu uns, weil die Hunde angeschlagen haben und überschüttet uns mit folgenden Informationen: Dieses Land gehört uns seit 100 Jahren. Ich bin schon 77, schaut mich an, ich wiege mit 77 noch so viel wie mit 22… mein Vater hat mit 60 geheiratet und drei Kinder bekommen, eines davon bin ich. Ich habe fünf Kinder. Mein Traktor ist schon 55 Jahre alt und ich bin sehr stolz auf ihn… usw. Leider hat er uns auch verraten, dass es bis zum nächsten Dorf noch 21 km sind und es noch vier Stunden dauert bis wir dort sind. Er hatte leider recht.

Und jetzt kommt die Geschichte, die ich nur einmal erzähle und den Rest der Reise nie wieder. Aber es gehört zum Wandern dazu, denn Wandern ist nicht immer nur Lust, sondern manchmal auch ein klein wenig Qual.

Es ist mittlerweile kurz nach zwölf. Die Landschaft hat sich seit heute Morgen wieder verändert. So weit das Auge sehen kann, nur Olivenhaine, die sich sanft wölben. Es ist heiß und langsam drückt das Gewicht des Rucksacks, zusammen mit dem Körpergewicht ist es für die Füße nach sechs Stunden eigentlich zu viel. Die weiteren zwei Stunden beginnen weh zu tun. Und es sind immer noch mindestens 10 oder 11 km. Der Weg endet heute nicht. Das was jetzt noch kommt zu den schon gelaufenen 28 km ist die Hälfte der ganzen Etappe von gestern. Oh mein Gott. Man braucht eine Stunde für fünf km, wenn man gut ist. Ich bin es nicht mehr, schleppe mich mit 3 km/h den Weg lang. Die Zeit steht, die Fußsohlen schmerzen und glühen. Die letzte Stunde ins Dorf geht nur noch durch Kornfelder, die Straße endet nicht. Der Asphalt, auf dem wir jetzt laufen brennt unter meinen Füßen. Ich taumle ins Dorf und starre gierig auf Stühle, die aus der Plaza Mayor durch die Straße blitzen und die ein Kaltgetränk verheißen. Dieses Bild von einem kalten Bier hat sich seit den letzten Stunden in meinem Kopf festgesetzt, der letzte Rest Wasser in meiner Flasche ist lauwarm. Wir kommen näher und der schlimmste Pilgertraum wird wahr. Es ist Montag um fünf und die zwei Bars am Platz und der kleine Supermarkt haben geschlossen. Puta madre.

In solchen letzten Momenten einer Etappe kann man sich nicht vorstellen, am nächsten Tag auch nur einen Schritt vor den anderen zu setzen, geschweige denn, wieder mit Lust weiter zu wandern. Es sind ja auch keine Spaziergänge! Aber dann ist es, wie es immer ist. Der Körper ist ein Phänomen, er regeneriert sich über Nacht. Und Schlaf und tinto am Abend heilen alle Verzweiflung. Der nächste Morgen ist dann wieder wunderbar. Ein neuer Weg wartet und ein unbekanntes Ziel lockt. Und es macht – yippiii – wieder Spaß.

Dienstag, 26. Mai, 5.Tag:

Heute sind es nur 23 km bis zum nächsten Ort, Hinojosa del Duque. Das letzte Ziel in Andaluciá, morgen übertreten wir die Grenze nach Extramadura. Was erwartet einen wohl, wenn die Region den Namen „Extremhart“ trägt?

Wir laufen durch weites flaches Land, immer wieder stehen ganz alte Eichen (Encinas) am Weg. Es gibt Bauernhöfe und riesige Felder. Es ist schön, der Morgen noch kühl.

Korn und Eichen
Zwischen Córdoba und Extremadura

Heute passieren wir sogar ein kleines Dorf auf dem Weg. Es gibt, wie in jedem Dorf bisher, auch ein Kirchlein. Und auf dem Kirchlein wohnt, wie auf jedem Kirchlein bisher, ein Storch.

Kirche mit Storch wie es hier tausendfach zu sehen ist
Kirche mit Storch wie es hier tausendfach zu sehen ist

Kein Kirchturm der nicht bewohnt ist. Es gibt offenbar keinen besseren Ort für Störche. Wissen wir eigentlich, warum das so ist? Wirklich bequem schaut so ein Turm ja nicht aus. Aber es ist der höchste Platz und auf dem tronen sie königlich, sie sind die Herren der Lüfte. (Während ich dies schreibe bin ich schon einen Tag und einen Ort weiter, sitze im Café unseres kleinen Hotels direkt neben dem Kirchturm. Auf ihm sitzen sogar sechs Störche in ihren Nestern. Und sämtliche Schwalben der Gegend haben sich ihre Nester darunter gesetzt. Toll.)

Zurück zu gestern, es gab wieder schöne Pilgermomente. Gerade als sich bei mir Erschöpfung einstellen wollte, tauchte schon das Städtchen im Blickfeld auf. Also los, noch eine letzte Stunde von heute nur etwa fünf Stunden Marsch. In der Polizeistation, so wußten wir, gibt es den Schlüssel für die Albergue, die das Städtchen direkt im Rathaus für Pilger eingerichtet hat. Unterkunft umsonst. Alles ist da, was man braucht. Spanien liebt seine Caminos und seine Peregrinos. Wir werden überall herzlich empfangen. Und wenn die Übernachtung nicht umsonst ist, gibt es  in jeder der kleinen Pensionen und Hotels einen Pilgerrabatt. Da hüpft das Pilgerherz. Es geht dabei gar nicht um das gesparte Geld sondern um das Herz hinter dieser kleinen Geste mit großer Wirkung.

Was gab es heute noch? Caracoles im Glas, meine ersten in Spanien, najaaaa, Veggies schaut lieber weg: Glibberig, schleimig, sehr lebensecht, man will sie besser nicht sehen und zu beißen gibt es eigentlich bei der Größe auch nichts. Einmal probiert und gut.

 

Caracoles, tatsächlich zum essen
Caracoles, tatsächlich zum essen

 

Und zum Abschluss dieses Berichts noch eine kleine Episode zur Gastfreundschaft. Mein I-Pad Akku ist leer… Ich weiß nun auch, das man mit dem Netzteil des Handyladekabels keine Pads aufladen kann. Leicht hysterisch laufe ich die Plaza auf und ab und schaue nach Lösungen. In der Bar haben sie noch nie einen I-Pad gesehen. Gegenüber der Albergue ist ein kleines Landwirtschaftsbüro, ich trau mich rein und werde mit großem Hola empfangen. Alle sind super nett, aber die Computertechnik ist sehr staubig und muss so aus den 90ern sein… nach einigem Suchen zieht eine Frau einen power adapter aus den Papieren des Chefs hervor. Sie hüpft vor Freude und gibt laute spanische Freudenschreie von sich, als er passt und auch lädt. Ich darf ihn dann sogar behalten. Sie schenken ihn mir, es ist nicht zu fassen. Und es ist gut so, denn er lädt ungefähr 10% Akku in einer Stunde. Als am nächsten Morgen um vier Uhr der Wecker klingelt, ist mein Pad immerhin schon wieder bei 55% :-)) Ich bin überglücklich.

Reiseberichte

Antequera, Feria in Córdoba, Camino Mozárabe de Santiago

Mai 26, 2015 — by Juli Tributs0

Freitag, 22. Mai. 1. Tag:

Es ist faszinierend, wie schnell man in einer anderen Welt ist. Man landet nach drei Stunden Flug in Malaga, ißt schnell auf dem Mercado Central verschiedenes gegrilltes Meeresgetier und fährt los Richtung Córdoba nach Antequera. Das entpuppt sich als idyllische Kleinstadt mit großer Alcazaba (das sind maurischen Festungen). Nur wenige Schritte weiter treffen sich die Hausbewohner der umliegenden Häuschen zum letzten Plausch in der Abendsonne. Männer und Frauen mögen das immer noch lieber getrennt …

Männlein und Weiblein. Hombres y mujeres

Und das Licht in Andalusia … Die Sonne ist wirklich heller und wärmer als in Deutschland, vor allem abends nach 21 Uhr:

Antequera
Antequera, am Abend

Samstag, 23. Mai. 2.Tag:

Das ist für mich Spanien im Mai:

Córdoba
Arboles lilas in Cordoba

Los arboles lilas. Sie blühen überall im Mai in Spanien, also auch in Córdoba.

Es ist Samstag und wir fahren weiter nach Córdoba. Wir sind noch nicht zu Fuß unterwegs, der vorerst letzte Tag, an dem wir in einer Stadt zivilisiert, also nicht erschöpft eintreffen. Wir haben Glück: Es scheint die Sonne… Nein, wir haben Glück, es ist „Feria“ in Cordoba. Ein Fest, für das sich alle Cordobesas, die großen und die kleinen, in ihre vestidos de volantes werfen und auf dem sie Sevillana tanzen. Man fährt auch gerne mit Kutschen vor oder reitet gleich selber hin. Ein Traum für Touristen.

Cordobesas zur Feria in Cordoba
Große und kleine Cordobesas auf dem Weg zur Feria

Jetzt weiß ich auch, die mini Kinderabsatzschuhe, die es überall zu kaufen gibt, sind ernst gemeint…

Zapatas de Flamenca
Zapatas de Flamenca gibt es in jeder Größe

Sonntag, 24.Mai. 3. Tag:

Am Sonntag um 7 Uhr geht es dann endlich los, wir wandern unsere erste Etappe nach Villaharta! Lächerliche 20 km, wir beginnen in einem Vorort von Córdoba. Es fühlt sich gut an, tipptapp, hoch runter geradeaus. Wir treffen stolze andalusische Pferde, alle möglichen  Blumen blühen am Wegesrand. Wir schauen in die ewige Weite Andalusiens. Auf dem Weg ist kein Mensch weit und breit. Wir sind die einzigen Pilger! Das wird die ganze Woche bis Mérida so bleiben. Einzige Kontakte sind die zu den Dorfbewohnern und ganz wichtig, zu den Barbetreibern. Wir passieren ein Mini Straßendorf für die Mittagspause und es sind noch 10 km bis zum Ziel.

Wir laufen und laufen. Und plötzlich kommt der Moment, der mich immer wieder aufs neue begeistert: wir sehen unser Ziel, ein Dorf scheint durch die Bäume. Gleich sind wir da.

Camino Mozárabe de Santiago, Villaharta
Villaharta, meine erste Etappe ist zu Ende

Das Ankommen ist immer ein Ereignis, was erwartet uns? Wie sieht es aus im Dorf? Wer steht in der Bar? Wie schmeckt der café con hielo?

Die einzige Bar in Villaharta hat auch gleich für uns ein Zimmer. Und überhaupt trifft sich hier das Dorf zum Café oder Bier trinken, gemeinsam Fernsehen schauen, quatschen. Die Bar ist der Mittelpunkt des Lebens. Man geht gleich früh nach dem Aufstehen hin und mindestens  noch einmal vor dem Schlafengehen. Es sind meist die Männer, die allein kommen, selten sieht man Frauen allein. Die tauchen eher in Gruppe auf, es wird dann auch meist sehr laut. Ein wunderbarer Ort, um Kontakt aufzunehmen.

Reiseberichte

Ich bin jetzt mal weg!

Mai 22, 2015 — by Juli Tributs0

°°°°Denn ich muss ja was erleben°°°°

Deswegen fliege ich heute nach Malaga und mache mich auf den Weg. Ich will mindestens nach Salamanca wandern. Ich beginne entweder in Sevilla oder in Cordoba. Rucksack ist gepackt, Restalkohol vom gestrigen Kanzleievent wirkt noch stimmungshebend. Es ist schön kühl und verregnet in München, bestes Wetter um abzuhauen. Mein Weg:

camino de plata, Juli's nächste 17 Tage
camino de plata, Juli’s nächste 17 Tage

Ich versuche mich dann die nächsten Tage mal als Reisejournalist. Oder Abenteuerautor. Oder der Blog wird Juli’s Diary. Aber vielleicht wird es auch langweilig, zu viele Stiere und zu viel Sonne, dann lasse ich es, who knows.

Bis dahin haut rein und lasst euch vom Wetter nicht deprimieren. Eure Juli denkt aus dem fernen Andalusien an euch!

Juli unterwegs
Juli unterwegs

Kunst

ArtMUC 2015 – Kunst aus München auf der Praterinsel

Mai 19, 2015 — by Juli Tributs0

Und wieder ist Kunstmesse in München. Same place, same environment… wie vor zwei Wochen, als die STROKE Art Fair stattfand. Also auf zur Praterinsel in München zur ArtMuc, an einem Wochenende im Mai, es gibt Kunst aus und um München. Die rund 100 Künstler, von einem Creative Board aus wohl sehr sehr viel mehr Bewerbern ausgewählt, sind anwesend. Es sind auch lokale Galerien präsent und auf Einladung der Messe die Klasse Anke Doberauer der Akademie der Bildenden Künste München.

Der Rundgang geht los. Ich bin erstaunt, viel interessante Kunst in München entsteht. Und wie nah und unmittelbar es auf der Messe zugeht. Wer sich nicht traut – so wie ich – die Künstler anzusprechen, der wird von ihnen angesprochen, wenn er nur lange genug vor einem Werk verweilt. Ich verweile tatsächlich recht oft, weil mir gefällt was ich sehe. Es sind nicht nur die ganz großen raumfüllenden Arbeiten die einen gefangen nehmen, wie Aura, eine Installation der Klasse Anke Doberauer:

Aura, Installation Klasse Anke Doberauer, Akademie der Bildenden Künste München
Aura, Installation Klasse Anke Doberauer, Akademie der Bildenden Künste München

oder die Videoinstallation Replex #2 Horizontal von BettyMü, eingehüllt in den Sound von Limb:

Es gibt auch kleine exquisite Arbeiten zu entdecken. Auch wenn vielleicht nicht alles so großartig ist, wie die Malerei, die derzeit in New York entsteht und die im Kunstmuseum Bonn (New York Painting, bis 30.08.2015) zu sehen ist – München muss sich nicht verstecken. Mir gefallen viele Arbeiten. Und jeder hat ja sowieso seinen ganz persönlichen Geschmack!

Zuallererst nehmen die sehr hübschen Leuchtkästen (dancer in the dark) von Sonja Herpich meinen Blick gefangen. Sie hat sich fotografisch mit Schnee befasst, der wird auf Aludibond im Leuchtkasten dann ganz wunderbar von hinten zum Leuchten gebracht. Und schon denke ich, was ich immer denke, wenn mir etwas gefällt: Das will ich haben! Gleich weiter geht es mit den faszinierenden kleinen Objekten (aus der Serie Ordnung ist das halbe Leben), die die Künstlerin Andrea Mähner als Ergebnis ihrer Lust an mathematischen und geometrischen Konstellationen aus allerlei naturgegebenen Materialen bastelt. Das sieht dann, neben der Ernsthaftigkeit, die der Konzeptkunst (bei ihr „Zahlart“) anhaftet, auch entzückend aus und ist bei oder wegen aller Mathematik dahinter auch sehr witzig.

Ich schlendere weiter, fühle mich schon jetzt bestens aufgehoben auf der ArtMUC und komme zu den White Rooms von Thiemo Kloss. Fotos uniformer Menschenszenen mit Gefängnischarakter. Er fügt mehrere Ebenen auf Alexi hintereinander – da wird das Foto zum Raum. Mir gefällt die Malerei von K.di Parenzo Jordan, die mit ihren neuen Bildern eine Mischung aus Maria Lassnig und Frida Kahlo schafft. Und es geht immer weiter. Es kommen Arbeiten von Christian Kreisel, der einige Bilder aus der Serie Heimat zeigt und neue Arbeiten auf einer Collage aus Mosaik und Spray und irgendwie an die Münchner Surferszene erinnert.

Es gibt natürlich noch viel mehr zu sehen und zu entdecken, der Raum dieses Blogs reicht dafür nicht aus.

Mir hat es noch eine junge Fotografin angetan, Julia Schneider, die mit ihren auf der Messe ausgestellten Fotoarbeiten aus der Serie „snapshot memories“ an William Eggleston erinnert. Fotografien zufälliger Szenerien paaren sich durch ihre spätere Auswahl und so entstehen schöne Bezüge. Eines ihrer Fotopärchen hängt (fast, noch stehen sie) nun auch an meinen Wänden:

Abenteuer Straße
„snapshot memories“ Abenteuer Straße

Für mich ist der Messebesuch eine wunderbare Erfahrung. Was macht es nun aber aus, worin liegt der Unterschied dieser ArtMuc zu Galeriebesuchen? Die Messe macht mich als Besucher nicht nur zum Betrachter, sondern zum Teil des Programms, hier gibt es Kunst, die ich sofort mitnehmen kann, unspektakulärer präsentiert als in einer Galerie. Kunst kaufen kann ich natürlich auch in Galerien, aber da bin ich als potentieller Käufer mehr im Fokus des Galeristen, ich habe weniger Auswahl, ich habe keinen Kontakt zum Künstler. Auf der Messe bin ich durch die Masse der Besucher geschützt, ich kann schlendern und schauen… was sich dann nach ganz viel Kunst im Hirn als Idee einnistet und auch über Nacht noch da bleibt, das ist es dann….

Der nächste Unterschied für mich ist bei dieser Messe die direkte – gleichwohl nie ausgesprochene – Einladung des Künstlers (nicht des Galeristen!!) zum Talk und zum Kauf. Sie sind häufig genau so schüchtern wie man selber, man nimmt zart Kontakt auf, die Messe macht uns zu Komplizen: Ich bin kein erfahrener Sammler, nicht alle Künstler sind erfahrene Verkäufer. Sie erklären ihre Kunst selbst am besten und so entsteht eine Annäherung der eigenen Art. Und sammeln will man doch Arbeiten der Künstler, nicht der Galeristen. Der direkte persönliche Kontakt eröffnet erst den Bezug, und mag man die Kunst und den Künstler dann ist die Entscheidung zum Kauf viel leichter, jedenfalls geht es mir so. Und es ist doch in Ordnung, wenn es bei Kunst in zweiter Linie auch darum geht, dass mal einer ein Kunstwerk erwirbt.

Wem das jetzt alles etwas zu kommerziell ist: mich hat der Umstand, dass ich auf einer Messe war, zum Nachdenken darüber gebracht. Eines ist ja klar, in allererster Linie geht es um Betrachten und Genießen von Kunst und den Austausch darüber. Und weil der mit den Künstlern so gut klappt und diese einem auf der Messe so nah wie sonst kaum kommen, finde ich das Konzept dieser Messe, die Künstlern und Besuchern diese Plattform bietet, super.

Hoffentlich findet sie nächstes Jahr (das wäre das dritte!) ihre Fortsetzung.

 

Kunst

STROKE: Kunst für das 21. Jahrhundert in München

Mai 6, 2015 — by Juli Tributs0

Wie gut, dass es am 1. Mai in München wie aus Kübeln geregnet hat! Sonst wäre ich möglicherweise nicht auf die STROKE gegangen und hätte möglicherweise ein Bild weniger in meiner Wohnung…

Wie viele Menschen nun an einem solchen Tag ihr Herz für urbane und junge Kunst entdecken. Es ist absolut faszinierend. Die STROKE auf der Praterinsel in München war am Freitagnachmittag so überfüllt, dass man Schlange stehen musste, um die Kunst genauer betrachten zu können. Aber: das ist ganz egal, es lässt sich ausblenden, man kann sich einfach durchwühlen.

Es macht mich sogar froh – es ist gut für die Kunst und die Künstler und ja, auch für ihre Galeristen. Ist das nicht ein toller Erfolg für eine abgefahrene Kunstmesse, die es seit gerade mal 2009 gibt und die von Marco und Raiko Schwalbe gegründet wurde, weil sie sich trotz jahrelanger Galeriearbeit die Gebühren für die großen etablierten Kunstmessen nicht leisten konnten. Ihr Ziel war es, „einen idealistischen und vor allem unbelasteten Blick auf junge Kunstentwicklungen zu ermöglichen“. Und das haben sie erreicht, finde ich! Kritik, die Messe sei zu kommerziell geworden, zu viele Galeristen zu wenig Künstler, wird dem Anspruch einer Messe nicht gerecht. Wichtig ist doch, dass die Künstler auch ein Forum haben für Sammler und eine Chance, ihre Werke nicht nur zu zeigen, sondern auch zu verkaufen. Und die Kritik mangelnder Qualität, naja, es gibt immer verschiedene Geschmäcker und es ist für jeden etwas dabei.

Über das Interesse an der Messe freue ich mich diebisch, weil ich beseelt bin von der Idee, Kunst zu unterstützen, damit sie sich entfalten kann. Weil ich und alle anderen Nichtkreativen die Kunst brauchen, sie unser Leben schöner, bunter und reicher macht. Und weil Künstler wiederum Sammler brauchen, die ihre Werke bestaunen, bewundern und eben auch mal kaufen.

Ich wiederum bräuchte für die Sammelei besser ein Schloss, statt der 50 qm Wohnung. Aber es findet sich auch an meinen Wänden immer wieder ein Plätzchen für Neues, wenn ich nur will…  Und ich wollte. Es kam spontan, ein Blick und alles war klar (auch wenn ich noch drei Runden durch die Messe brauchte, um meine Kaufentscheidung endgültig zu treffen). Faszinierend, wie ein Bild plötzlich im Kopf einen Haken setzt, trotz der tausend anderen Eindrücke, die auf einen einprallen. Kunst ist eben doch sehr individuell.

Attila Stark hat den Haken ausgeworfen, ein ungarischer Künstler, mit einem Bein noch fest im street art/comic underground von Budapest verwurzelt und mit dem anderen Bein schon in der ungarischen Kunstszene. Sein Galerist, Patrick Urwyler, Schweitzer Kunsthistoriker, der zusammen mit Bogi Mittich die Galerie Chimera-Project in Budapest betreibt, ist auch Fan von Attila und hatte kurz vor der Messe taufrische Bilder aus dessen Atelier geschnappt, um sie auszustellen. Und mit Erfolg. Nicht nur, weil ich jetzt Sammler bin. Was sich daraus alles ergeben kann. Ich kann nicht nur jeden Tag ein in Budapest gemaltes Bild ansehen und mich daran erfreuen. Ich kann auch verfolgen, was aus Attila wird, ich kann ihn vielleicht mal kennen lernen und ich habe eine junge engagierte Galerie in Budapest entdeckt, die mir gefällt und mit der ich in Kontakt bleiben möchte.

Mein frisch erworbenes Werk hängt auch schon:

Stroke 2015 in München
Infundibulicybe von Attila Stark

Und damit mein zweiter Liebling der Messe nicht zu kurz kommt, auch für ihn noch ein paar Zeilen. Ein Kolumbianer mit Wohnsitz, Werkstatt und Laden in Berlin, dem der Schalk aus den Augen springt und der sehr sehr lustige Objekte (Lampen und Stühle und vieles mehr) bastelt und mit viel Lust erklärt: El Reinventor. Für seine Objekte stellt sich mir wieder die Schloss-Frage…

Die STROKE für mich ein super Erlebnis. Es gab natürlich noch viel mehr Arbeiten, die mir gefallen haben. Aber ein Blog reicht dafür nicht aus!

Dies und Das

Cooltourphorie: 25hours berlin bikini

Mai 1, 2015 — by Juli Tributs0

Gehören euphorische Berichte über Aufenthalte in Design Hotels auf einen Blog über Kultur? Ich finde ja, es ist ja aber auch egal, denn es ist ja MEIN BLOG, und auf dem kann ich machen was Juli Tributs will.

Also, die 25hours Hotels!!! Es gibt sie in Hamburg, Frankfurt, Berlin, Wien und Zürich und bald auch in München. Sie sind toll. Sie reagieren auf die Stadt und auf den konkreten Ort, an dem sie stehen. Aus dem The Goldman in Frankfurt wollte ich gar nicht weg, so schön ist es dort, und nicht nur weil der Hotelmanager für uns persönlich einen wunderbaren Cappuccino bereitet und uns in die Geheimnisse der einzelnen Zimmer eingeweiht hat (jedes Zimmer hat einen Paten und ist individuell nach dessen Vorlieben und Leidenschaften gestaltet), sondern auch weil Service und Atmosphäre so ganz besonders nett sind.

In das neue Berliner Baby habe mich sofort verliebt, als ich mich von der sehr tollen Bikini Shopping Mall am Zoo ins 25hours bikini berlin  verirrt habe. Die Rezeption ist eine Einladung zum Bleiben, man kann nicht aufhören zu schauen und zu staunen. Alles ist grün und offen und gleichzeitig ein bisschen wie im Dschungel, ein Spiel mit dem Zoo. Unter dem Dach in der Monkey Bar blickt man auf der einen Seite ins weite Grün, dahinter erahnt man die Stadt. Auf der anderen Seite ist Urbanität, an guten Nachmittagen mit spektakulärem Sonnenuntergang über der Gedächtniskirche.

Nun endlich, letztes Wochenende im April – kleines großes Geburtstagsgeschenk meiner Freunde (DANKE an Euch alle!!) – gab es endlich den lang ersehnten cooltourphorie Aufenthalt in einem der jungle rooms (mit der Nummer 807).

Juli Tributs im 25hours bikini berlin
8. Etage, auf dem Weg ins Zimmer 807

Die Wand nach Außen ist ein Fenster, eingelassen in den Boden und vom Bett aus schaut man den Affen beim Turnen zu. Der Schlaf ist von lustigen Geräuschen begleitet, es zirpt und zwitschert und manchmal brüllt es auch.

my room with a view into the zoo
my room with a view into the zoo

Die Zimmer sind originell gestaltet, Rohbetondecke meets Jungle. Wie auch oft in den Öko-Dschungel-Reservoirs findet das Duschen im Raum statt und beim Zähneputzen ist man auch nie allein. Am Morgen gibt es ein fantastisches Frühstück im Neni. Und wie immer in den 25hours Hotels gibt es die kleinen netten Aufmerksamkeiten, die den Aufenthalt versüßen  – die hippe Tasche zum Benutzen, das I-Pad Radio mit Ladestation, den gelben BMW Mini sowie Fahrräder zum Ausleihen. Und und und…

Es macht einfach riesigen Spaß. Das 25hours lädt ein zum Verweilen und beflügelt die Phantasie.  Das will Juli Tributs immer wieder!

Theater News

Radikal jung, radikal apathisch – Fortsetzung letzter Teil

April 23, 2015 — by Juli Tributs0

Es ist sauspät, ich bin saumüde. Jeden Abend muss ich mich nach dem Theater im Volksgarten bis in die Puppen unterhalten, am nächsten Tag wieder ganz normal ins Büro, meinem Brotjob nachgehen, und dann husch husch wieder in Theater rennen. Dennoch, über den heutigen Abend – Kings von Nora Abdel-Maksoud (auch Regie) in Zusammenarbeit mit Nora Haakh, eingeladen aus dem  Ballhaus Naunynstraße in Berlin Kreuzberg – muss ich gleich heute noch schreiben.

Denn der Abend hat, obwohl er – so der Vorwurf einiger meiner Mit-Schauer – eigentlich zu banal, sprachlich zu wenig tiefgründig und zu klamaukig war- wie kein anderer Abend polarisiert und extrem lebhafte und wortgewaltige Diskussionen nach dem Stück provoziert. Ich finde, das allein rechtfertigt den Abend. Wenn Theater das schafft, hat es doch mehr als seinen Zweck erfüllt.

Im Stück geht es letztlich um die Kritik unserer, auch social media getriebenen, Generation (20iger, 30iger, 40iger?…), die – so die These – nicht mehr rebelliert. Sie ist irgendwie anders, weil sie „es gecheckt hat“, kann und will dieses Anderssein aber nicht (mehr) „im Kollektiv“ gegen Missstände einsetzen. Auf die Aufforderung: „Empört euch“, fällt der Generation Facebook nichts ein. Sie ist apathisch, selbstbezogen. Man hat zwar „Kommunikationslust“, verliert sich aber im liken und im Selfie-Test. Einig ist man sich, den Kampf gegen die Apathie zu führen: Man „nimmt ja zur Kenntnis“, „unterschreibt Petitionen“ und „hasst Ikea und Laminat“.

Und so geht es munter zwei Stunden rund auf der Bühne. Ich fand es lustig, mag aber ab und an auch mal leichte und einfache Themenbearbeitungen. Und ja, genau diese Art der Kulturkritik ist vielleicht Teil des Problems. Es gibt hier auch keine Lösungen, das sagt die Regisseurin auch ganz offen. Aber es gibt für den, der sich nicht jeden Tag mit gesellschaftlichen Änderungen befasst, neue Denkansätze.

Und letztlich ist mein Fazit:  Wer will schon jeden Abend Kleist’s Prinz Friedrich von Homburg sehen (so am Vorabend)? Das Publikum jubelt wie bei keiner anderen Vorstellung während des Festivals. Also scheiden sich hier wohl die Geister, und was des einen Freud, ist des anderen Leid. Und den Schlusssatz nehmen wohl alle mit nach Hause, auch wenn er keinem wirklich hilft: „Käse kann schimmeln. Und was kannst du?“