main

Dies und DasKunst

Was tun im August in München? Kunst schauen und Eis schlecken…

August 8, 2015 — by Juli Tributs0

Es ist August. Es ist irre heiß. In München sind Sommerferien. Theater findet gerade woanders statt. Theaterkritiker haben es ziemlich gut, sie tummeln sich auf den diversen Festivals (z.B. Salzburger Festspiele, Ruhrtriennale). Juli Tributs ist in München. Und sucht nach Erlebnis-Alternativen. Es ist ja nicht so, dass einem nichts anderes als Theater einfällt!

Worüber macht man sich also am Ende einer heißen Woche, am späten Nachmittag bei fast 40 Grad, Gedanken? Über Eis… Über die nächste Wasserstelle, die man mit möglichst wenig Anstrengung erreicht und in die man seine Füße hängen kann… Über Terrassen, auf denen man mit einem kühlen Getränk in der Hand abhängen kann. Über sehenswerte Ausstellungen in klimatisierten Museumsräumen… Also, eins nach dem anderen:

Haidhausen hat eine neue Eisdiele!! Das Eis schmeckt köstlich und wer in seinem Viertel noch kein Eis aus echten Zutaten (nicht aus Pulver) hat, der kann zur Wörth-/Ecke Preysingstraße pilgern und sich dort ein paar riesige Kugeln abholen. Ich wage es mal zu sagen: Ich glaube es sind die größten Kugeln für das wenigste Geld in ganz München. Und es ist yammiiii…

Eisdiele in Handhohen München
Chocolatte Eis in der Wörthstraße

So erfrischt schnappt man sich aus dem Kühlschrank einen gekühlten Wein, packt die Badehose ein und radelt zur Isar. Das ist nun wahrlich keine neue Idee. Aber immer wieder eine gute! Ich garantiere, jeder findet dort noch (s)einen Platz, mal mit mehr und mal mit weniger Grillrauchschwaden, mal mit, mal ohne Musik. Und in jedem Fall ist die Isar schön kühl, man kann die Füße oder den ganz Körper eintauchen. Und nach Einbruch der Dunkelheit wird es sogar an einem Tag wie gestern (Freitag, 7. August) angenehm kühl. Und von dem Abend hat man auch am nächsten Tag noch was, meine Haare duften nämlich immer noch nach Grillkohle.

Isarauen in München
wir lieben unsere Isar

Wer über Donnerstagabende im August nachdenkt, der möge an die Goldene Bar im Haus der Kunst denken. Die riesige Terrasse mit den Wahnsinnssäulen öffnet sich auf der einen Seite zum englischen Garten, das bringt grüne Frische in das sonst urbane Ambiente. Es loungt sich ganz toll da, auch wenn das Abhängen in der Goldenen Bar seinen Preis hat. Zwei Gläser Weißwein, 18 Euro. Aber wir sind hart im Nehmen, sparen können wir an der Isar. Wenn es schön in der Bar ist und ein cooler DJ coole Musik von Platte auflegt, dann zahlen wir dafür jeden Preis. Dass es super da ist, haben natürlich viele andere auch kapiert. Es ist zum „sunny open air dj“ bis 22 Uhr gerappelt voll. Macht aber nix, es verteilt sich und die Leute kommen und gehen. Und wem es doch zu hipp und zu cool ist, der hüpft schnell zum Chinesischen Turm, immer noch einer meiner Lieblingsbiergärten in München. Lebendig, international und schön grün mitten in der Stadt.

Noch besser ist es, wenn man vor der Goldenen Bar am Donnerstag in eine oder mehrere Ausstellungen im Haus der Kunst geht (schafft man aber zeitlich nicht in einer Stunde!!). Am Donnerstag hat das Haus der Kunst, für alle denen es entgangen ist, nämlich bis 22 Uhr auf! Meine aktuelle Lieblingsausstellung dort ist die Tourneeausstellung des Goethe-Instituts (noch bis 11. Oktober 2015): „Geniale Dilettanten. Subkultur der 1980-iger Jahre in Deutschland„. Die Ausstellung präsentiert Bands der Subkultur, darunter die Einstürzenden Neubauten, Die Tödliche Doris, Der Plan, Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.), Palais Schaumburg und Deutsch Amerikanische Freundschaft (D.A.F.). Es gibt von all diesen Bands Musikvideos. Es gibt Filme über die Musiker, Interviews, etc. Es hängt bildende Kunst aus der Zeit (Penk!) und es steht Möbeldesign aus der Zeit. Und für Fans: Die DDR-Band Ornament & Verbrechen ist dabei!! Für mich war das eine super spannende Reise in eine Zeit, die ich leider nicht erlebt habe, die ich aber sehr gerne erlebt hätte (ich war 1981 gerade mal 7 Jahre alt). Das waren coole Zeiten. Echt explosive Kreativität. Die Ausstellung ist absolut sehens- und hörenswert. Und wer den Gang ins Haus der Kunst bis Oktober nicht schafft, dem empfehle ich einen Besuch der Website vom Haus der Kunst, da sind einige Filme und Videos zu sehen!

Kunst gibt es aber nicht nur im Museum. Sondern auch in Galerien! Sehr schön und sehenswert ist die aktuelle Ausstellung „Cubanspaces“ mit Arbeiten von Katarzyna Badach (Malerei), Nathalie Grenzhaeuser (Fotografie) und Adidal Abou-Chamat (Video) in der Galerie Christa Burger (Theresienstraße 19, noch bis 25. September 2015). Die Künstler setzen sich in ihren Arbeiten mit dem urbanen Raum in Havanna und anderen Regionen Kubas auseinander, jeder auf seine Weise. Das ergibt ein eindrucksvolles Panorama der sich im Umbruch befindenden Insel. Die Fotos von Nathalie Grenzhaeuser zeigen Themenparks, Stadien, Promenaden, Volksfeste und öffentliche Plätze mit Denkmälern. Man kennt diese Orte, die mit großem sozialistischem Pathos daher kommen, aus den Ostblockländern, nur sind sie in Kuba wieder ein bisschen anders… verfallen stehen sie bizarr im karibischen Ambiente. Das ist schön zu sehen.

Sehr gefallen haben mir die Arbeiten von Katarzyna Badach. Ihre Malerei- und Aquarellarbeiten erwecken auf den ersten Blick den Eindruck von farbenfroher Karibik. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man, dass es sich um verfallene, verlassene Orte handelt. Es sind keine Blumen, sondern abgeblätterte Wandflächen einer alten Fabrik oder eines aufgegebenen Hotels. Jeder der Kuba kennt weiß, wie viel Realität diese Bilder zeigen und kennt den ganz eigenen Reiz, den die Verfallenheit der Orte entfaltet. Aber schaut selber! Die Galerie ist den ganzen August über offen.

Und es gibt natürlich auch noch viel mehr. Das war nur meine Auswahl der letzten Tage. Und der August ist noch nicht zu Ende! Also werft euch in die Fluten der Isar und ins Getümmel der Goldenen Bar. Hüpft in die Galerien und schleckt zwischendurch ein Eis. Sommer Juhu!